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Prof. Dr. Muhammad Abu Al Fadl  Badran 

 

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  Seit sie an meiner Türe klopfte, ich sie reinließ, ich dann selbst rausging war ich draußen geblieben

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                Der neue Faust von Ali  Ahmad Bakathir:

                    Ein Versuch, Faust zu mystifizieren

                                                                         von

                                                 Muhammad Abu al Fadl Badran

Department of Arabic Literature

Faculty of Humanities

United Arab Emirates University

 

INHALT

 

Einleitung                                                                                                                     

 

1. Beispiele für den Einfluß Fausts in der modernen ägyptischen Literatur                                  

 

            1.1. Mu_ammad Far_d Ab_ _ad_d: _Abd aš-Šai__n

                        (Der Knecht des Teufels)  1945 (geschrieben 1929)               

            1.2. Tawf_q al-_ak_m, Na_wa _ay_tin af_al

                        (Ein besseres Leben) 1955                                                                 

            1.3. Sayyid Ibr_h_m: "Aš-šai__n wa wa__y_hu 's-sab_a"

                        ("Der Teufel und die sieben Gebote") 1980                              

            1.4. Mu_ammad _In_n_: Faust 1998                                                  

2. _Al_ A_mad B_ka__r: Faust al-_ad_d

2-1  (Der Neue Faust) 1967                                                                                                   

Das Theaterstück                                                                                 

            2.2. Charakteristische Merkmale                                                                                  

            -3 als Sufi                                           

 

3. Warum ist Faust ein verlockender Text?                                                      

Bibliographie                                                                                                                Theaterstücke und Kurzgeschichten                                                                                    Quellen                                                                                                            
Der neue Faust von _Al_ A_mad B_ka__r: Ein Versuch, Faust zu mystifi­zieren

 

Einleitung

 

Seit den ersten arabischen Übersetzungen des Goethischen Fausts (__li_ __mid _am_d 1911,[1] Mu_ammad Awa_ Mu_ammad 1929)[2] hat der Faust-Stoff immer wieder großes Interesse bei arabischen Schriftstellern und beim Leserpublikum gefunden. Zahlreiche Werke wurden verfaßt, in denen direkt auf das Faust-Motiv zurückgegriffen wurde. Sie handeln vom Verhältnis zwischen dem Menschen und dem Teufel, oder sie projizieren zeitgenössische Probleme in die Faustsage hinein. Mu_ammad Far_d Ab_ _ad_d (1893-1967) schrieb sein Theaterstück Der Knecht des Teufels (_Abd aš-šai__n), um auf die Schlechtigkeit der Kolonialherrschaft aufmerksam zu machen; Tawf_q al-_ak_m wies mit seinem Einakter Na_wa _ay_tin af_al (Ein besseres Leben) auf die Nachteile der Revolution von 1952.

 

In seiner kurzen prägnanten Forschungsarbeit über Faust in der arabischen Literatur (1989) untersuchte Kam_l Ra_w_n den Einfluß des Faust-Stoffes auf die moderne arabische Erzähl- und Theaterliteratur. Seine Arbeit war Grundlage für die folgenden Untersuchungen des Themas. _Al__ ad-D_n _ilm_ widmete in seiner 1986 auf Deutsch erschienenen Arbeit Die Rezeption Goethes in Ägypten dem Faust-Thema ein Kapitel, in dem er hauptsächlich die arabischen Übersetzungen des Goethischen Theaterstückes nachgeht und kommentiert. Seine Arbeit ist für die Faust-und-Goethe-Rezeption in der arabischen Welt unverzichtbar. 

Einer der Autoren, die sich mit dem Fauststoff auseinandergesetzt haben, ist _Al_ A_mad B_ka__r (1910-1969). Sein bisher noch nie veröffentlichtes Spätwerk Der neue Faust hat B_ka__r ungefähr 1967, zwei Jahre vor seinem Tod, geschrieben. Das in Schreibmaschinen­schrift vorliegende Manuskript - vermutlich vom Autor selbst angefertigt - wurde mir von Prof. Wild, Inhaber des Lehrstuhls für Islamwissen­schaft und Arabistik an der Universität Bonn, zur Verfügung gestellt. Das Manuskript ging vor Jahren von Khal_l Shaikh in seinem Besitz über, als Shaikh es nach einem Aufenthalt in Ägypten mitbrachte. Khalil Shaikh hatte das Manuskript von einem der Verwandten B_ka__rs bekommen. Shaikh schrieb damals seine Promotion über Der Teufel in der modernen arabischen Literatur. Die Rezeption eines europäischen Motivs in der Belletristik, Dramatik und Poesie des 19. Und 20. Jahrhun­derts. Eines der Kapitel behandelt das Thema "Faust in der arabischen Literatur".

 

Eine hier vorangestellte kurze Zusammenfassung ist notwendig, um das Stück mit anderen arabischen Faust-Texten vergleichen zu können. Wir werden zeigen, wie bedeutend das Stück für die Faust-Rezeption in der arabischen Literatur ist und wie wichtig es ist, es durch Veröffentlichung für die Leser baldmöglichst zugänglich zu machen. B_ka__r zählt zu den bedeutendsten und produktivsten arabischen Dramatikern dieses Jahrhunderts.

 

Faust wird gleich im ersten Akt vor einem Problem gestellt: Margarethe, seine Geliebte, entscheidet sich, Nonne zu werden, da ihr Oheim die Eheschließung mit Faust ablehnt und sie selbst nicht in einer unmoralischen Liebesbeziehung versinken will. Dies treibt Faust zur schierer Verzweiflung. Er beschließt, Selbstmord zu begehen, aber seinem Freund Barcils gelingt es, ihn davon rechtzeitig abzuhalten. An dieser Stelle kommt der Satan ins Spiel. Er verspricht, Faust aus der psychischen Krise herauszuhelfen und überredet ihn, mit ihm einen unbefristeten Vertrag abzuschließen, nach dem Faust seine Seele dem Teufel verkauft. Als Gegenleistung erfüllt ihm der Teufel all seine Wünsche.

 

Im zweiten Akt - welches reich ist an Debatten über Gott und Religion - sehen wir den bereits tief in Schuld verstrickten Faust, wie er sich immer mehr in sündhaften Vergnügungen stürzt. Es kommt zur Auseinandersetzung mit seinem Freund Barcels - der immer mehr Unangenehmes erfährt. Barcels beginnt, Faust zu hassen.

 

Im dritten Akt erlebt Faust die große Ernüchterung durch ein göttliches Licht, das ihm plötzlich erscheint. Durch Gott erfährt er die perfekte Wahrheit, etwas, was er durch den Teufel nie hätte in Erfahrung bringen können. Er beginnt, Margarethe und Barcels zu verstehen; alle Ereignisse spielen sich vor seinen Augen in einem ganz neuem Licht ab.

Im vierten und letzte Akt erreicht die Handlung im Tod der drei Hauptakteure ihren Höhepunkt. Margarethe, die zuvor von Faust betrunken gemacht und verführt wird, erträgt ihre Sünde nicht und stirbt. Während Faust - inzwischen durch die göttliche Erkenntnis geläutert - schon dabei ist, all seine Forschungsmanuskripte, die er mit Hilfe des Teufels verfaßt hatte, zu vernichten, sticht Barcels mit einem giftigen Dolch auf seinem Freund ein und tötet ihn. Faust stirbt nach Margarethes Tod, und Barcels nimmt sich darauf schuldbe­wußt das Leben.

 

In diesem Forschungsvorhaben will ich mich darauf beschränken, bestehende Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen B_ka__rs und Goethes Faust sowie andere Faust-Verarbeitungen in der arabischen Literatur herauszuarbeiten. Ferner versuche ich folgende Fragen zu beantworten:

 

Weshalb lehnt sich B_ka__r - der von der Raš_d Rid_-Bewegung in Kairo beeinflußt war, bereits 1930 eine salafitische Zeitschrift herausgegeben hatte und von den Muslimbrüdern heute gern als den "Ihrigen" betrachtet wird - so stark an die Mystik, wo die Mystik mit ihrem individuellen islamischen Wertsystem den Fundamentalisten eher zuwider ist?

 

B_ka__r macht seinen mit dem Teufel im Pakt stehenden Helden Faust regelrecht zum Waliyy, zum Freund Gottes und Heiligen, Vollzieher von Wundertaten, dem das Licht Gottes erscheint. Bei ihm ist Faust der Hochmutige, den Gott bestraft, indem er ihm einer Prüfung aussetzt, die er aber besteht. Er ist vor dem Schlimmsten gerettet. Denn selbst wenn Faust am Ende stirbt, wird doch seine Seele erlöst. Die Endszene hat einen solchen optimistischen Ton, daß man das Stück trotz allen Leichen nicht tragisch nennen darf.

 

Warum wurde dieses Stück nicht veröffentlicht, obwohl seit der vermuteten Niederschreibung bis heute über 30 Jahren vergangen sind?

Was hat B_ka__r veranlaßt, seinen Faust mit so vielen philosophischen Debatten zu bespicken? Wollte er noch kurz vor seinem Tod etwas wichtiges aussagen? Inwiefern unterscheidet sich Faust al-_ad_d von seinen anderen Werken?

Inwiefern ist das Stück zeitgenössisch?

Welche Bedeutung hat das Stück unter B_ka__rs Werken und in der arabischen Literatur insgesamt? Welche Bedeutung hat es für die Gegenwart? In wiefern ist es wichtig für die Neubewertung von B_ka__rs anderen Werken?

Neben diesen Fragestellungen möchte ich mir während meines geplanten Aufenthalts in Bonn das Editieren der Originalhandschrift vornehmen und den Text zur Veröffentlichung vorbereiten.

 

Bevor wir uns aber mit B_k___rs Faust beschäftigen, wollen wir uns andere Faust-Stücke ansehen.


 

1. Beispiele für den Einfluß Fausts in der modernen ägyptischen Literatur

 

1.1. Mu_ammad Far_d Ab_ _ad_d: _Abd aš-Šai__n

            (Der Knecht des Teufels) 1945 (geschrieben 1929)[3]

 

Zusammenfassung: __b_z ist des Lesens und Studierens überdrüssig. Während er in dieser lustlosen Stimmung verweilt, taucht sein Freund Kild_ aus F_r_n auf. Im Gegensatz zu __b_s, genießt Kild_ das Leben in vollen Zügen und kümmert sich nicht um Bücher und die Wissenschaft. Sie unterhalten sich unter anderem über ihren gemeinsamen Freund Qadr_, der mit einer Erfindung fertig ist, die die Welt, wie sie vermuten, auf den Kopf stellen wird. Er habe es geschafft, aus Sonnenenergie Strom zu erzeugen. Als S_d_ ihren Freund Kild_ abholen kommt, lobt sie bei dieser Gelegenheit __b_z' Buch "Faustus". Wieder mit sich und seinen auf ihn bedrückend wirkenden Büchern alleingelassen, empfindet __b_z plötzlich eine Art Weltschmerz. Er holt seinen Revolver, um sich umzubringen, zögert einen Augenblick und ruft fluchend den Teufel herbei. Unmittelbar darauf tritt ein seltsamer Fremder ins Zimmer. Auch er lobt __b_z' Buch "Faustus". Er stellt sich mit dem Namen Ahriman vor.[4] Die beiden vertiefen sich schnell in ein Gespräch über das Leben, seine Freuden und Sinnesinhalte. Ahriman bietet __b_z Gold an, wenn __b_z sich bereit gibt, als Gegenleistung dem Teufel seine Seele zu verkaufen. __b_z ist einverstanden und sie besiegeln ihren Eid mit Blut. Die Handlung des zweiten Akts spielt in __b_z' Schloß. "Pascha __b_z", der inzwischen der reichste Mann in __nb_l_d[5] geworden ist, veranstaltet ein großes Musik- und Tanzfest. Während sich die Gäste amüsieren, stehen __b_z und Ahriman abseits und diskuttieren philosophische Fragen, z.B. womit man Haß begründen könne, warum Ahriman beispielsweise die Menschheit hasse. Für Verwirrung sorgt S_d_, die aufgeregt den Saal verläßt. Es wird aus der Ausein­andersetzung klar, daß S_d_ ihren Freund Kind_ mit __b_z betrogen hat und sie nun - zum Ärger von __b_z - reuevoll zu Kild_ zurückkehren wolle. __b_z ist verärgert. Da schlägt Ahriman vor, ihr mit den an ihn adressierten perfümierten Liebesbriefen zu drohen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Glücklich stolziert Ahriman zwischen seinen im Tanz und Alkoholrausch schwankenden und im Kartenspiel versunkenen fröhlichen Gäste.

 

Allmählich kauft __b_z alle Grundstücke und Firmen und Fabriken des Landes auf und entläßt alle Bauern und Arbeiter, um sie wieder nach seinen Bedingungen einzustellen. Weil sie keine andere Arbeit finden, kommen sie alle in sein Schloß und sind dankbar für jede Anstellung. Ahriman redet auf ihn ein, auch Bur_nia unter sein Joch zu zwingen. Er müsse nur die Schriftsteller bestechen, Parteien, Gewerkschaften und alle demokratischen Einrichtungen abschaffen, dann würde ihm dies gelingen. __b_z läßt sich überzeugen und schon sehen wir ihn im 3. Akt, wie er tatsächlich absoluter Herrscher über Bur_nia geworden ist. Das Land ist unter seiner Herrschaft in Kürze ruiniert worden: Hungersnot, Arbeits­losigkeit und Trümmerstätte sind Ergebnis seiner Ungerechtigkeit. Während __b_z den Zustand bedauert, scheint Ahriman, der inzwischen Kanzler geworden ist, darüber sehr erfreut zu sein. Sie haben eine Auseinandersetzung, in der __b_z klar wird, daß er Handwerk des Teufels geworden ist. Was __b_z da sehe, behauptet Ahriman, sei Teil ihrer Abmachung:

 

            Ahriman: "Ist dies nicht unsere ursprüngliche Abmachung? Bist Du nicht erst durch sie absoluter Herrscher geworden, der schalten und walten kann, wie er will?"

            __b_z: "Absoluter Herrscher? Welche Macht habe ich da noch, wenn du mit mir Spielchen treibst? Du führst mich hinter dir her. Führst mich an der Nase herum!"

            Ahriman (lachend): Ein genialer Vergleich!"

            __b_z (wild aufgebracht): "Und du spottest auch noch? Ich werde diesen Nasenring zerstören und mich von unserem Eid befreien."[6]

 

In geübter Gewohnheit schenkt Ahriman ihm zur Beruhigung Wein ein, __b_z lehnt das angebotene Glas jedoch ab und schmettert es auf den Boden. Sie gehen in Streit auseinander. Ahriman empfängt den Armeeführer, der ihn über die Sicherheitsvorkehrungen berichtet, die gemacht werden anläßlich einer Delegation aus den Ländern Buxonia, _abr_n und Karm_n, die nach Bur_nia kommt, um mit Bur_nia ein Bündnisabkommen zu machen. Jeder Kontakt mit der hungernden Bevölkerung soll vermieden werden. Es wird dafür gesorgt, daß es keine Begegnung zwischen der Gesandschaft und der Bevölkerung geben wird. Alle Straßen, an denen die Delegation entlanggehen wird, werden für die Bevölkerung abgeriegelt und abgeschirmt; Holzmauern werden hochgezogen und mit Blumen und Bäumen geschmückt. Schon jetzt freut sich Ahriman auf seine zunehmende Macht und auf die Vergrößerung seines Reiches.

     

Jedoch droht __b_z' Widerstand, Ahrimans Pläne zunichte zu machen. __b_z läßt alle im Haus vorhandenen alkoholischen Getränke in den Müll werfen. Ahriman führt seinen Wandel auf eine Frau zurück ("Keiner wagt es, mich herauszufordern, außer es gibt da eine Frau."[7] Tatsächlich hat sich __b_z in _urayya verliebt. Er stehe zu seiner Liebe und teilt Ahriman mit, daß er sie heiraten wolle. _urayyas Einfluß auf __b_z ist mächtig. Sie macht ihm die Augen auf vor der Ungerechtigkeit, die im Lande herrscht, und will mit ihm zusammen das Volk vor Huger und Arbeitslosigkeit retten, indem sie durch Einrichtung neuer Fabriken neue Arbeitsplätze schaffen und die einheimische Martkwirschaft fördern will: "Jedes Mal, wenn ich in einem Dorf gehe, spüre ich, wie mein Herz auseinandergeht, als gäbe es Krallen, die es zerreißen. Alles braucht Erneuerung: Die Straßen, die Häuser, das Essen, die Kleidung, wir brauchen Heilmittel für die Körper, die Psyche und die Seele. Zusammen können wir dieser armseligen Bevölkerung helfen und ihr die Ehre und Menschenwürde zurückgeben. Wenn ich daran denke, [wie es in Zukunft durch unsere Reform sein könnte], wird das Leben in meinen Augen schöner und fröhlicher und ich werde zuversichtig, daß Gott es war, der uns einander näher brachte. Er war es sicher, der uns einander näher brachte."[8]         

Um die Hochzeit zu vereiteln, überrascht Ahriman das Paar im Garten zusammen mit Am_n, der ehemaligen Dirne __b_zs, die der Braut die Rolle der eifersüchtigen Liebhaberin vorspielt. Es ist eine durchaus peinliche Situation und _urayya und ihr Vater verlassen sofort den Ort.

 

So groß ist nun die Kluft zwischen __b_z und Ahriman geworden, daß __b_z - nach einem gescheiterten Veruch, Ahriman zu erschießen - sich von Ahriman und seinem Pakt lossagt. Er schickt sich an, den Ring, Symbol ihres Paktes, abzustreifen, da warnt ihn Ahriman, daß die Leute lesen könnten, was darauf stünde. __b_z jedoch erwidert, daß er ihn mit einem Stück Leder bedecken wolle.

 

Ahriman verschwindet, mit den Worten: "Meine Freundschaft ist besser als alles, was man in der Welt besitzen kann. Als Freund bin ich treu. Aber in der Feindschaft kenne ich kein Erbarmen."[9]

 

Wieder mit seinen Gedanken alleingelassen, erscheint __b_z plötzlich der Geist seiner ersten Geliebten, S_d_, die sich zuvor das Leben genommen hatte. __b_z bittet sie um Vergebung. Doch sie sagt nur: "Suche in dir selbst, öffne das Grab und suche in ihm (...) öffne dein Herz."[10] Stattdessen öffnet __b_z seine Schatzkammer und entdeckt, daß sich die Goldbaren in bunte Seifenblasen aufgelöst haben und zur Decke aufsteigen. Der Ring auf seine Hand wird größer und größer und umschließt seinen ganzen Körper. Als auch sein Gesicht langsam umschlossen wird und er daran zu ersticken droht, fleht __b_z Ahriman an, zurückzukom­men, jedoch hört man nur sein höhnendes Gelächter. Zum Selbstmord bringt er keinen Mut auf. Die Menschen kommen von überall in Scharen herbei, um ihren mächtigen Herrscher in dieser mißlichen Lage zu sehen. Sie lesen in deutlicher großer Schrift geschrieben, was auf dem Ring eingraviert ist: "__b_z ist der Knecht des Teufels".[11]

    

Mu_ammad Far_d Ab_ _ad_d scheint das Faust-Motiv nicht begriffen zu haben bzw. er scheint den Goethe Text ganz für seine Zwecke umgeändert zu haben. Faust wurde zum politischen Drama. Einige Kritiker wie etwa _Izz ad-D_n Ism___l wollten in der Person __b_z den Ministerpräsidenten Mu_ammad Ma_m_d _al_l erkannt haben. Ahriman wurde als Symbol des Kolonialismus betrachtet. Dies mag zutreffen, da es viele Hinweise darauf gibt. Entstanden war das Stück in einer Zeit, in der Ägypten noch unter britischer Herrschaft stand. Um der Zensur zu entgehen, versetzte Ab_ _ad_d sein Faust in einer unbekannten Zeit und gab Orten und Personen fremdklingende Namen, um den Verdacht zu entgehen, daß es sich um Ägypten handle. Die Namen hören sich türkisch, griechisch und persisch an und versetzen den Leser in einem vertrauten Orient. Sie erinnern an die mamlukische und türkische Herrschaft in Ägypten, deren Erben auch in der Moderne zur Oberschicht gehören. Während die fremden Namen das Böse vertreten (Ahriman bedeutet auf mittelpersisch böser Geist, was Ahriman auch ist), sind die wenigen Personen mit den arabischen Namen die Guten. Qadri z.B. symbolisiert den fleißigen Wissenschaftler, der für die Menschheit Nützliches bringen will. _urayya (was Kronleuchter bedeutet) ist die unschuldige Reine, die Ratgeberin, die erfüllt ist von der Liebe zum Volk und vom Wunsch, es von der Tyrannei zu befreien. Kritiker meinen, sie symbolisiere mit ihrer Weiblichkeit das ägyptische Volk.

 

Auffällig ist, daß es Frauen sind, die als einzige den Teufel besiegen können, vor denen der Teufel angstvoll zurückweicht. _urayya ist der Lichtstrahl, mit dem __b_z die Wahrheit klar sehen kann, sie ist der Beginn seiner Loslösung vom Teufel. S_d_ ist die Ratgeberin, die ihn von ihrem Grab aus warnt und ihn rät, in sein Herz zu schauen. Während also Frauen bei Ab_ _ad_d den Wandel bringent, ist es bei B_ka__r die mystische Einkehrung, die den Wandel und die Befreiung vom Teufel bringt.

 

Ab_ _ad_d spricht der Frau in seinem Stück eine wichtige Rolle zu und zieht sie der Männerrolle vor. Sie ist nicht mehr die femme fatale, Symbol und Instrument des Bösen. Sie ist auch keine brave Hausfrau, sondern nimmt ihre positive Stellung in der Gesellschaft ein. Sie ist sogar weitsichtiger, als der Mann, nimmt Teil an der Diskussion und gibt Vorschläge, wie man wirtschaftliche und soziale Reformen einführen kann, um die Lage zu verbessern und dem Volk zu dienen. 

 

Wenn wir Faust (=__b_z) als Symbol für die politische Herrschaft der damaligen Zeit betrachten würden und den Teufel als Symbol für die britische Kolonialherrschaft, würde das bedeuten, daß für Ab_ _ad_d der Widerstand und Unabhängigkeitskampf gegen den Westen nichts bedeutet hat. Es seien unernste Versuche der Obrigkeit gewesen, Versuche eines Widerstandes, den man unternommen habe, um die Sympathie des Volkes zu gewinnen, nicht um die Unabhängigkeit wirklich zu wollen. Denn __b_z widersteht dem Teufel nur schwach. Diese Interpretation ließe sich in Ab_ _ad_ds Stück lesen. Selbst wenn der Westen sich aus Ägypten zurückziehen würde, blieben noch seine Komplizen, die daran weiter arbeiten, das Land in den Ruin zu bringen und die Menschen zu unterjochen (Ahriman).      

 

Der Unterschied der beiden Theaterstücke (B_ka__rs und Ab_ _ad_ds Stücke) ist vor allem ihr Schluß: Ab_ _ad_d überrascht uns mit dem Schwächeanfall seines Helden __b_z, der sich vor den Tod fürchtet und den Teufel anfleht, zurückzukommen und sich ihm als Diener und Sklave unterwirft. Ab_ _ad_ds Protagonisten sind in all seinen Werken nie Superhelden gewesen. Lieber zeigt er sie in ihrer sehr menschlichen Schwäche, als daß er sie unfehlbar macht. Bei B_ka__r ist Reue und Genesung absolut und der Teufel wird besiegt durch die Zuversicht und Rückfindung zu Gott.

 

Ferner haben wir den Unterschied, daß Ab_ _ad_ds Faust (__b_z) von Anfang an noch ein junger Mann ist, daß ihm der Teufel also nicht mit dem Preis der Jugend verführen kann, während er bei B_ka__r schon ein alter Mann ist, was ihn in größerer Versuchung kommen läßt.

 

__b_z scheint tatsächlich nur Opfer zu sein. Nicht __b_z, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, sondern der Teufel selbst, Ahriman, ist der von Größenwahn geplagte. Er will immer mehr Land und Volk unter seinem Joch zwingen, aus reiner Zerstörerlust und als __b_z' Ratgeber verwickelt er all die Geschäfte selbstständig. __b_z scheint niemals aktiv Macht zu ergreifen.

 

 

1.2. Tawf_q al-_ak_m, Na_wa _ay_tin af_al (Ein besseres Leben) 1955

 

Tawf_q al-_ak_m hat in mehreren Stücken das Faust-Motiv verarbeitet. Das wichtigste ist der Einakter Ein besseres Leben. Das Stück, dessen Personen unbenannt bleiben, beginnt damit, daß die Hauptperson, die mit dem Titel "Reformer" (Mu_li_) bezeichnet wird, tief in Arbeit versunken scheint, so eifrig liest er nachts in seinen Büchern beim Gaslicht und läßt sich auch nicht von seiner Frau überreden, ins Bett zu gehen, denn, er läßt sie wissen, seine Aufgabe sei es, Reformen für die Menschheit durchzuführen: "Ich wünschte, ich könnte meine Augen schließen und wieder öffnen, um festzustellen, daß all die Armut um mich herum verschwunden ist und die Menschen ein besseres Leben führen"[12]  

Das so fesselnde Buch, in dem er liest, handelt sich offensichtlich um die Geschichte von Faust selbst: "Um jenen greisen Gelehrten und Philosophen, der seine Seele an dem Teufel verkauft hat, damit er ihm wieder Jugend schenke. Ich frage mich, was ich mir wünschen würde, wenn der Teufel zu mir käme"[13] Als seine Frau ohne ihn zu Bett geht, erscheint dem Reformer ein Geist. Zuerst fürchtet er sich vor ihm, aber der Geist stellt sich ihm ohne Zögern als Teufel vor und erzählt ihm von Fausts Betrug. Nach der Meinung des Teufels habe Faust sich nicht an ihre Abmachung gehalten und ihm nicht seine Seele gegeben, obwohl sich der Teufel an sein Versprechen gehalten habe und ihm Jugend schenkte. Der Teufel macht nun dem Reformer den Vorschlag, sich mit ihm zu verbinden. Er würde ihm all seine Wünsche erfüllen, wenn er ihm immer nur die Wahrheit sage. Dies willigt der Reformer sofort ein. Ihre erste Auseinandersetzung kommt jedoch bald, als der Teufel vom Reformer verlangt, die Wahrheit in aller Öffentlichkeit zu rufen, nämlich daß seine geplanten Reformen mit der Hilfe des Teufels durchgeführt würden. Dies lehnt der Reformer entrüstet ab, jedoch willigt er am Ende ein, als ihn der Teufel erneut an sein Versprechen erinnert und er keinen anderen Weg sieht, Reformen durchzuführen.

 

Wie er es sich wünschte, schloß er seine Augen, und als er sie wieder öffnete, hatte sich das verwarloste arme Dorf plötzlich in einem gepflegten schönen Städtchen verwandelt, anstelle der Hütten standen nun feine Villas mit Gärten. Jedem schien es gut zu gehen. Der ärmste Dorfbewohner, Ma_r_s, besitzt jetzt neben einem schönen neuen Haus ein großes Ackerland von 20 Fadd_n  (ca 84020 qm), Traktors, Pflügfahrzeuge, Bewässerungsanlagen und Dampfmaschinen. Bald merkt der Reformer jedoch, daß Ma_r_s und seine Frau nicht mehr die alten waren. Es schien, als hätten sie ihre Seele verloren: "Offensichtlich ist materieller Reichtum ein anderer als der Reichtum der Seele." Der Reformer wirft dem Teufel vor, seinen Wunsch nicht erfüllt zu haben, da die Menschen jetzt kein besseres Leben hätten. Denn "ein besseres Leben" bedeute, daß das Leben einen "besseren Sinn" bekäme.[14] Hier gesteht der Teufel die Grenzen seiner Macht ein, er könne nicht die Seelen verbessern. Es gibt eine Ausein­andersetzung, nach der sich der Teufel wieder zurückzieht. Auf die letzte Frage des Reformers, wer die Seelen verbessern könne, erwidert er nur: "Sie!". Der Reformer kehrt zu seiner Lektüre zurück und schläft über sein Buch ein, bis ihn am nächsten Morgen seine Frau weckt.

 

Meiner Meinung nach ist das Theaterstück eine frühe Kritik der Revolution von 1952. So wie der Reformer im Stück ein besseres Leben für sein Volk wünschte, war auch die Revolution ein Streben nach Reform und Entwicklung. Die Revolutionsführer gründeten Genossen­schaften, stellten dem armen Bauernvolk preiswerte Lehngüter bereit und statteten sie mit technischen Geräten aus, jedoch, so scheint der Autor auszusagen, habe die Revolution keine Veränderung in der Gesellschaft herbeigebracht. Ihr Wohlstand brächte ihnen keine Freiheit, Drogen seien nach wie vor verbreitet. Hier haben wir wieder eine politische Verarbeitung des Faust-Themas. Tawf_q al-_ak_m läßt am Ende andeuten, daß allein Intellektuelle, Denker und Schriftsteller, und nicht die Politiker, die Gesellschaft verändern können. Indem al-_ak_m seinen Reformer keinen Eigennamen gibt, scheint er auszusagen, daß wir es nicht mit einer individuellen einmaligen Situation zu tun haben. Wichtiger als die Person des Reformers bzw. Fausts scheint der Teufel, dem der Verfasser menschlich zeigt und persönlichere Züge gibt als den blass dargestellten Reformer. "Heute bin ich ein weiser Greis, und mein Lebensstil hat sich dementsprechend geändert. Ich befreunde mich jetzt lieber mit Gelehrten und Reformern und mein Hobby ist, ihnen bei ihren guten Taten und Reformen behilflich zu sein," sagt der Teufel zu dem Reformer.[15] Trotzdem sehen wir den Teufel in seiner gewöhnten Gestalt, ein Lügner und Irreleiter. Was nur bei Tawf_q al-_ak_m auffällt, ist, daß der Teufel auf die Wahrheit besteht, als wolle er den Menschen zeigen, daß die Lüge ein fester Bestandteil seines Lebens ist, insbesondere im Politischen. Al-_ak_ms Stück hält sich formal am Rahmen von Goethes Faust. Es gibt dort wie hier einen Vertrag mit dem Teufel, der nicht eingehalten wird, der Teufel ist in beiden Stücken sowohl Sieger als auch Besiegter. Die politische Interpretation ist eine zusätzliche Funktion des Stückes. Tawf_ al-_ak_m hat ein weiteres Stück geschrieben, _Ahd aš-Šai__n (Pakt des Teufels). Wir verzichten hier jedoch auf eine Analyse, da es diesem Stück in Aussage und Funktion sehr ähnelt.

 

 

1.3. Sayyid Ibr_h_m: "Aš-šai__n wa wa__y_hu 's-sab_a"

                        ("Der Teufel und die sieben Gebote") 1980

 

In der Kurzgeschichte "Der Teufel und die sieben Gebote" von Sayyid Ibr_h_m befindet sich das Königreich des Bösen in einer Krise. Alle sind bestürzt und ratlos, weil der Teufel wieder einmal seiner Sache nicht gewachsen ist. Er hat wieder versagt, mit verheerenden Folgen für das Königreich. "[Der Teufel] schlug seinen mächtigen Schädel mit den abgemagerten Hörnern auf den felsigen Boden." Der Sitzungsdirektor schreit ihm mit seiner gräßlichen Stimme nach: "Das ganze Schulsystem des Bösen ist veraltet und wiegt nichts auf im Vergleich zu dem, was der Mensch mit seiner Technologie und boshaften Ideen alles bewerkstelligen kann. Das Böse des Menschen hat sich weit entwickelt, wir aber sind mit unseren bösen Taten stehengeblie­ben. Wir sind rückschrittlich geworden." In der folgenden Krisensitzung schlägt schließlich der Weiseste unter den Reichsältesten vor, dem Teufel eine letzte Chance zu geben. Er soll von der schlüpfrigen Schlange Lektionen in der Kunst des Bösen erteilt bekommen. Die Sitzungsmitglieder geben sich einverstanden und die schlüpfrige Schlange beginnt, dem Teufel Lektionen in der Weisheit und Philosophie der Schlangen zu erteilen. Sie gibt ihm Ratschläge, wie er die Menschen unter seinem Banner bekommt. Sieben Gebote diktiert sie ihm: Er soll das direkte Töten vermeiden, das Schlechte schön erscheinen lassen, die Frau sei der Satan, er soll falsch sein, er soll sich sanft und in schillernd schönen Farben zeigen, er soll die Jugend mit Drogen und Alkohol berauschen; er soll an jedem Ort und zu jeder Zeit Zwist und Unruhe stiften und unter den Menschen Haß verbreiten.[16]

Die Gesellschaft klatscht der Schlange dankend Beifall für diese "unvergänglichen" Gebote, die der Teufel von Neuem zu folgen beginnt.

 

Der offene Schluß läßt andeuten, daß der Teufel wieder versagen wird, da Methoden des Bösen unverändert über Generationen in Form von Geboten tradiert werden, ohne sich an den Methoden des modernen Lebens und den Techniken des Bösen der Menschheit zu orientieren. Vielleicht ist hier auch indirekt die arabische Welt gemeint, die es nicht schafft, am Fortschritt des Westens mitzuhalten, weil sie an veralteten Sitten und Gebräuchen und Geboten festhält, ohne ihren Sinn zu überprüfen. 

Die Idee vom Menschen, der durch seine Intelligenz böser ist als der Teufel selbst, ist gut, wennauch die Ausführung nicht ganz gelungen zu sein scheint, da die Geschichte viele Schwächen zeigt und stilistisch nicht ausgereift ist. Sie ist aber gerade wegen ihrer Benutzung starker Klisches (z.B. die Frau als Inbegriff des Bösen) sehr ausdrucksvoll.  

 

 

1.4. Mu_ammad _In_n_: Faust 1998

 

Entstanden ist das Theaterstück, als Mu_ammad _In_n_ von einem Filmemacher darauf angesprochen wurde, für ihn ein Drehbuch zum Theaterstück Faust zu verfassen.

 

            "Ich habe zunächst die wichtigsten Punkte, die meiner Meinung nach aus arabischer Sicht die Tragödie von Faust ausdrücken könnten, zusammengefaßt. Danach bereitete ich einen Reimtext vor, der Auszüge aus dem ersten Teil von Goethes Faust beinhalteten und ich nannte ihn 'eine arabische Interpretation in Versform'."[17]

 

Herausgekommen ist ein Stück von nur 9 Seiten, welches in keiner Weise von Goethes Faust abweicht. Es kann weder als Übersetzung, noch als Adaptation oder neues Drama betrachtet werden. Die wichtigsten Personen, die im Stück auftauchen sind: Faust (ein achzigjähriger Arzt), Margaret (Gretchen) noch in der Blüte ihrer Jugend, Iblis, der Oberteufel, Margarets Bruder Valentin und schließlich die irdische Seele, ein kleiner Dämon). 

 

Das Stück besteht aus sieben Szenen und beginnt, wie gewöhnlich, mit Fausts Bedrücktheit und Verdruß vom Leben und der Wissenschaft und mit dem Kommen des Teufels, der ihm seine Dienste anbietet. Sie unterhalten sich ernsthaft über die Wissenschaft und über Frauen. Schließlich spricht der Teufel vom Pakt, und Faust wird gegen Rückgewinnung der Jugend sein Sklave. Doch vorher spricht er eine Bedingung aus: "Falls ich eines Tages das Gefühl der Vollkommenheit habe oder die Zeit vergesse und wünsche, daß sie stehenbleibt, werde ich dir gehören.[18]

 

In der zweiten Szene sehen wir den Teufel in der Unterwelt, wie er stolz seinen Untertanen erzählt, daß er einen großen Wissenschaftler zum Anhänger gemacht habe. Er schickt seine Dämone aus, um Gretchen zu holen, die vom nun attraktiven junggewordenen Faust mit Geschenken überschüttet wird. Sie verliebt sich in ihn und fragt zaghaft: "Ist unsere Liebe also echt?"

Faust:   Im Meere der Liebe bin ich ausgefahren

                                    und habe als Proviant nur mein Herz mitgebracht

                        Ich bat dem Vorbild der beiden Ufer meiner Seele

                                    Mir zu sagen, nach was ich suchen soll?

                        Ich selbst weiß nicht mehr, wer ich bin".[19]

 

Die dritte und vierte Szene handelt von der Liebe zwischen Faust und Gretchen. Durch Ibl_s' Anregung stattet Faust seiner Geliebten einen nächtlichen Besuch in ihrer Hütte ab, um sich an ihr sexuell zu befriedigen. In der fünften Szene bittet Gretchen bei Gott um Vergebug für ihre Sünde ("O Herr, ich habe nur aus echtem Liebesdrang gesündigt, was ist das Böse, das sich in den Kleidern der Tugend bewegt?"). In der nächsten Szene versucht Gretchens Bruder Valentin sich an Faust für seine Schwester zu rächen. Faust versucht, ihm zu erklären, daß er es für die Liebe und Wissenschaft getan habe.

Faust:   "In der Zukunft wirst du weiser sein

                                    wirst hören und sehen

                        daß ich die Liebe - das edelste Herzflattern der Welt - wollte

                                    um mein Wissen zu erweitern

                        Es war nicht meine Absicht,

                                    Wissen aus der Lebensquelle zu schöpfen

Valentin: "aus der Quelle meiner Schwester?"

Faust: "Aus der Liebe zu Frauen und der Welt."

Valentin: "Sie war mit einem Bastard schwanger, sie hat einen Hurensohn gezeugt"

Faust: "Aus der Erde wächst die Liebe, und die Liebe wird zur Pflanze"

Valentin: "Seltsam, wie du dich schamlos zu deiner blutigen Sünde bekennst! Nimm diesen Hieb von der Schneide meines Schwertes".

 

Nach dem heftigen Gefecht, in dem Valentin mit Hilfe des Satans getötet wird, beginnt bei Faust die Stunde des Erwachens. Er bereut sehr, einen guten Menschen ermordet zu haben. Da merkt der Teufel, daß die Sache aus seinen Händen gleitet ("Dies ist ein Moment der Reue.... ein gefährliches Zeichen und Warnung)".[20] Im schnellen Rhythmus schreitet die Handlung fort: Ibl_s teilt mit, daß Gretchen soeben ihr Kind ertränkt habe: "Man hat sie zum Tode verurteilt, in den Kerker geworfen. Ihr Geist ist verwirrt, sie hat den Verstand verloren."[21]

Die Tragödie findet ihren Höhepunkt in Gretchen, die ihr Kind getötet hat und hingerichtet werden soll. Sie verliert ihren Verstand. Dieses Melodrama ist für _In_n_ immer noch nicht melodramatisch genug, _In_n_s Faust tut außerdem Gift in einem Trinkglas, das er sodann Gretchens Mutter verabreicht, in der Meinung, es sei Schlafmittel. Die Mutter stirbt davon und macht Faust so zum Mittäter.

In der letzten Szene schleicht sich Faust ins Gefängnis ein, um Gretchen vor ihrer Hinrichtung zu retten und mit ihr zu fliehen, aber er wird überrascht von ihrem verwirrten Zustand. Sie glaubt nicht, daß ihr Kind nicht mehr lebt und sieht in ihm den Henker. In einer ergreifenden tragischen Szene fleht sie ihn an, noch bis zum Morgengrauen zu warten:

"Ich gebe mich jetzt in Ihren Händen! Ich bin bereit, zu sterben. Ich bitte Sie, lassen Sie mich aber erst noch mein Kind stillen."[22]          

Kurz gelingt es Faust, sie zu überzeugen, daß er nicht der Henker, sondern ihr Geliebter, sei. Sie weigert sich aber trotzdem, mit ihm zu fliehen und konfrontiert ihn:

 

            Gretchen: "Meine Mutter ist tot. Ich habe ihr das Gift heimlich eingegeben. Ich habe meinen Säugling nach seiner Geburt ertränkt. Er war des Schöpfers Geschenk an uns, auch an dir! Da ist deine blutbeschmierte Hand! Geh, wisch sie sauber von den (noch) feuchten [Blut]tropfen. O Herr, was sollen wir nur tun?"

 

Sie werde bald sterben, deshalb bittet sie ihn, sich um ihr Begräbnis und das ihrer Mutter und ihres Bruders zu kümmern: "Dann komm ich, neben dem Bruder und der Mutter. Mein Kind an meiner rechten Brust. Keine andere Person soll in meinem Grab liegen."[23] Wieder versucht Faust vergeblich, Gretchen von der Flucht zu überzeugen. Gretchen aber bittet Gott um Verzeihung: "O Schöpfer, vergebe mir! Ich habe eine Sünde begangen. O Empfänger der Buße, tilge meine Schuld. Ich bin Deine Dienerin geworden."[24] Hier mischt sich schnell der Teufel ein und befiehlt Faust, sie zurückzulassen und zu fliehen. Faust aber weigert sich und erklärt ihren Vertrag für Null und nichtig. Mit Blitz und Donner geht der Teufel ab und Gretchen stirbt in seinen Händen. Das Theaterstück endet mit Fausts Sehnsucht zu Gott und seiner Bitte, ihn zu vergeben.

 

Schwach ist das Stück in den Übergängen der einzelnen Szenen und in den Beweggründen ihrer Personen, z.B. macht _In_n_ Gretchen kurz nach dem Moment ihrer Reue zur Mörderin. Faust wird zum Mörder von Valentin. Während der Mord an ihr Kind zu Gretchens Geistesver­wirrung führt, wirkt Valentins Ermordung auf seinen Mörder Faust befreiend: ihm wird seine Abhängigkeit und Sklaverei bewußt, welches zu seiner Befreiung vom Teufel führt. Die Ermordung der Mutter findet keinen Widerhall in Faust Gewissen. Ihr Tod ist deshalb ohne Funktion und wirkt eher übertrieben, dramatisch und aufgesetzt, als wolle er damit den bösen Charakter des Teufels betonen. _In_n_ hätte sich zumindest hier die Freiheit nehmen können, dies aus seinem so handlungsreichen kurzen Faust-Stück zu streichen. Wer Goethes Faust kennt, würde die Handlung, wie sie bei _In_n_ grausam verkürzt dargestellt wird, trotz des gleichen Inhalts kaum wiedererkennen. Wird es ihm doch lächerlich platt vorkommen.

 

Die starke inhaltliche und formale Anlehnung am Goethe Text ist ein deutlicher Nachteil. Viele Dialoge wirken durch ihre starren Reime und Metren künstlich aufgezwungen und mehr wie isolierte Qasiden als eine aus dem Leben gegriffene lebendige Unterhaltung. So scheint das Stück nicht wie ein einheitliches Gebilde sondern zerstückelt und zusammenhanglos.

 

In_n_s Vorhaben, eine "arabische" Sicht des Dramas zu schreiben, ist gescheitert, weil er nichts Neues bringt. Was ist das arabische an seinem Einakter, das er dem Leser so verständnisvoll verspricht? Sein Stück bietet sowohl inhaltlich als auch formal nichts Individuelles. Es ist ein billiger Abklatsch von Goethe, eine melodramatische Kurzfassung von neun Seiten, weiter nichts.


 

2. _Al_ A_mad B_ka__r: Faust al-_ad_d (Der Neue Faust) 1967

2.1. Das Theaterstück

 

Obwohl das Stück, das vermutlich 1967 geschrieben wurde, niemals verffentlicht wurde, war es als Hörspiel ausgesendet worden.[25]

 

_Al_ A_mad B_k___r (1910-1964) wurde 1910 in Indonesien geboren. Mit 9 schickte ihn sein Vater nach Hadramaut, damit er Arabisch lernt. 1932 zog er nach _Adan, wo er ein Jahr blieb. Danach reiste er nach Saudiarabien, wo er sich auch ein Jahr aufhielt. In Ägypten nahm er schließlich 1934 sein Anglistik-Studium an der Philosophischen Fakultät auf und erhielt 6 Jahre später sein Diplom. Vierzehn Jahre lang unterrichtete er in al-Man__ra und Kairo in verschiedenen Schulen Englisch. Zum Schluß arbeitete er im Kultusministerium als Zensor. B_k___r erhielt 1951 die ägyptische Staatsbürgerschaft. B_ka__r gilt als Erfinder des freien Versfußes, seitdem er 1936 seine Übersetzung von Shakespeares Romeo und Juliet in freier Versform geschrieben hatte. Obwohl er an erster Stelle Theaterautor ist, schreibt er zahlreiche historische Romane, von denen der meistumstrittene A_-___ir al-a_mar ist, weil er darin die Kommunisten angreift. Gegen Ende seines Lebens schreibt er seine Romanreihe Mal_amat _umar al-isl_miyya al-kubr_, die aus 19 Teilen besteht. B_k___r bekam zahlreiche Auszeichnungen für seine Werke.[26]

 

Uns ist nicht bekannt, ob B_ka__r Goethes Faust in der deutschen Fassung gelesen hat. Höchstwahrscheinlich las er sie in englischer Übersetzung, da B_ka__r meines Wissens der deutschen Sprache nicht mächtig war. Es gibt auch andere Hinweise, die bestätigen, daß ihm eine englische Version als Vorlage diente. Zum Beispiel transkribiert er den Namen Wagner, als spreche er es Englisch aus (er transkribiert den ersten Buchstaben mit w_w statt f__). Geldsummen gibt er unumgerechnet in deutscher Währung an, aber so steht es auch in der englischen Übersetzung. Die Dichterin Sappho, von der B_ka__r so beeindruckt zu sein scheint, taucht nicht im Faust, aber in anderen Texten von Goethe auf. Dies könnte bedeuten, daß B_ka__r auch anderes von Goethe gelesen hat, oder daß er selbstständig aus der griechischen Geschichte und Mythologie schöpfte, ohne sich strikt an das Original zu halten.[27] Es lohnt sich, zu fragen, ob B_ka__r als Anglist auch Christopher Marlowe's Tragedy of Dr. Faustus kannte (1601 geschrieben, 1604 erstmals veröffentlicht, ein psychologisches Drama, das noch mehr das Streben zu Macht betont).[28]

B_ka__r verfügt über einen leicht verständlichen aber durchaus eleganten Stil im klassischen Hocharabisch. Das Stück ist ein Prosastück. Nur die abschließenden Verse sind in Reimvers geschrieben, und zwar im Ra_az und ma_z__.

 

Das Interessante an dem Stück ist der Versuch B_ka__rs, den Faust-Stoff zu mystifizieren. Dies ist auch der größte inhaltliche Unterschied zwischen B_ka__rs und Goethes Faust. In B_ka__rs Text häufen sich geradezu die sufischen Wundertaten (kar_m_t). B_ka__rs Beschäftigung mit den "inneren Wissenschaften", al-_ul_m al-ladunniyya, dem Wissen, das unmittelbar von Gott durch mystische Intuition verliehen wird, im Gegensatz zu dem Wissen, das man aus Büchern schöpft, wirft Fragen auf. B_ka__r fügt lange philosophische Debatten und innere Monologe über Religion, Himmel und Hölle, Existenz und Nichtexistenz, über den Satan und das Verhältnis des Satans zu Adam und den Menschen in seinen Text ein. Solche ontologischen Fragen finden wir auch in Büchern berühmter Sufis wie die des al-_all__ und Niff_r_. Nimmt B_ka__r partei für die sufische Weltordnung? All dies scheint sehr seltsam. B_ka__r versucht ferner, christliche und islamische Positionen zu versöhnen, indem er die Stellungnahme beider Religionen zu Wertvorstellungen von Gut und Böse in denselben Verhältnissen stellt, so daß sie ganz ähnlich erscheinen; diese Stellungnahme stimmt wiederum mit der sufischen Dimension überein.

 

Das in vier Akten eingeteilte Theaterstück beginnt mit Fausts Gefühl der Ratlosigkeit und Verlorenheit, nachdem ihm seine Geliebte Margarethe verlassen hatte, um in einen Orden einzutreten. Sie hatte sich dazu entschlossen, weil ihr Oheim die Eheschließung mit Faust ablehnt bzw. ein hohes Brautgeld verlangt, um es Faust zu erschweren. Faust greift zu illegalen Methoden (Geldfälschung), die Margarethe abschrecken. Sie will daher Nonne werden, um sich vor einer sündhaften Beziehung zu schützen. Während Faust so in einem Zustand der Verzweiflung ist und schon Selbst­mordgedanken hegt, kommt ihn sein Freund Barzils besuchen. Barzils macht sich im Gegensatz zu Faust um das Leben und seine Probleme keine Gedanken. Er genießt den Moment, ohne an die Zukunft zu denken. Und so redet er beruhigend auf Faust ein, sich nicht wegen einer Frau zu grämen, wo es doch von ihnen so viele auf der Welt gäbe. Wenn es nur sie sein darf, könne er sie rufen und mit Wein betören; dann sei es nur noch ein leichtes Spiel, sie in Fausts Bett zu kriegen.

 

Dies wird von Faust entrüstet abgelehnt, jedoch gelingt es Barzils, Faust rechtzeitig vom Selbstmord abzuhalten. Barzils verabschiedet sich, um sich mit seiner Geliebten Emi zu treffen. Da begegnet Faust der Teufel, der zunächst in Bazils' Gestalt erscheint. Der Teufel verspricht, ihn aus seiner psychischen Verfassung und dem seelischen Bedrängnis herauszuholen. Er wolle ihm Margarethe holen. Faust geht auf die Bedingungen des Teufels ein und verkauft ihm seine Seele. Als Gegenleistung werde ihm der Teufel alle Wünsche und Bedürfnisse erfüllen. Als der Vertrag zwischen dem Teufel und Faust offiziell abgeschlossen ist - sie besiegeln ihn mit dem Blut von Faust und dem des Teufels -[29] läßt B_ka__r in einer eindrucksvollen Szene Gott als Zeuge stehen. Auf Fausts Frage, wer ihr Zeuge sein werde, erwidert der Teufel unerwartet:

            Teufel: "Gott, der Erhabene"

            Faust: "Gott?"

            Teufel: "Bist du mit ihm als Zeuge nicht einverstanden?"    

            Faust: "Ja, doch. Aber er ist doch der Einzige, Allmächtige!"

            Teufel: "Mächtiger als tausend Zeugen. Einverstanden?"

            Faust: "Einverstanden"

            Teufel: "O Gott, Du Mächtiger, Du Glorreicher und Hochverehrter. Du bist unser Zeuge und es gibt keinen Zeugen außer Dir und uns genügst Du als Zeuge und Vermittler."[30]

 

Schließlich geht der Teufel auf die Bedingungen von Faust ein und schenkt ihm "absolutes Wissen, ewige Jugend, Gesundheit, Lebenskraft, Reichtum, Ruhm und Macht".[31] Kaum ist dies geschehen, wird Margarethe herbeigezaubert und Faust schläft mit ihr. Der erste Akt endet damit, daß Faust sich Vorwürfe macht und noch gequälter ist als vorher.

 

Mit einer Liebesszene wird der zweite Akt eröffnet. Wagner und Olga sind beide Angestellte bei Faust. Nach dem Austausch von Liebesworten kommt Barzils hinzu und sie beginnen, sich über Faust und seine Genialität zu unterhalten. Offenbar ist Barzils neidisch auf Faust und er möchte daher auch einen Pakt mit dem Teufel eingehen. Der Teufel aber lehnt ihn ab, da er in ihm keinen Nutzen sieht. Unterdessen stürzt sich Faust wollüstig in sexuelle Abenteuer, all seine Wünsche werden vom Satan erfüllt. Barzils hat ein sündhaftes Verhältnis mit Margarethe, Fausts Geliebten, und Faust ein sündhaftes Verhältnis mit Emi, Barzils' Geliebten.

 

Auf der anderen Seite macht Faust mit seinen Entdeckungen und genialen Erfindungen auf sich aufmerksam und setzt die Welt ins Staunen. Die beiden Großmächte beginnen um Fausts "Freundschaft" zu wetteifern. Doch Faust läßt sich nicht befriedigen. Er will herausfinden, wie er die Menschen vor der Katastrophe retten und wie er Wüsten in grüne Gärten verwandeln kann. Der Teufel aber verweigert ihm ausgerechnet diesen Wunsch. Im folgenden Dialog mit dem Teufel, zweifelt Faust zum ersten Mal an Gott. Zur Ablenkung bringt der Teufel ihm die schöne Helena.[32] Faust wehrt sich gegen die Versuchung - er hält Augen und Ohren zu - da verschwindet plötzlich Helenas Erscheinungsbild und Faust sieht das Licht Gottes. 

 

Im dritten Akt sehen wir Bazils in Fausts Empfangszimmer auf Faust warten und mit sich selbst reden. Er beneidet ihn offensichtlich um seine Macht und Berühmtheit. Bevor er in Fausts Zimmer eingelassen wird, erscheint ihm der Teufel, der ihn auffordert, Faust zu töten. Aus dem folgenden Dialog zwischen Faust und Barzils wird deutlich, daß Faust zum Glauben an Gott zurückgefunden hat. Barzils ist veständnislos:

 

            Barzils: "Du verlangst das Unmögliche, Faust"

            Faust: "Wie das, wenn ich [das Licht Gottes] doch mit eigenen Augen gesehen habe?"

            Barzils: "Kann es nicht sein, daß du dir das nur eingebildet hast?"   

            Faust: Nein, ausgeschlossen. Eher würde ich an mir selbst zweifeln, als an dem, was ich gesehen habe".[33]

 

Gegen Ende des 3. Aktes erkennt Faust, daß er sich in Margarethes Betrug getäuscht hatte und daß sie ihm stets treu geblieben war. Es war gar nicht sie, sondern eine gefälschte Margarethe, eine Dirne in der Bekleidung einer Nonne, die ihm der Teufel zur Koppulation bestellt hatte. Die echte Margarethe war bis zum Schluß im Kloster geblieben.

 

Im 4. Akt sehen wir Faust krank im Bett liegen. Emi, die inzwischen auch Nonne geworden ist, wird von Barzils erneut umworben. Seinen Heiratsantrag lehnt sie jedoch ab, mit der Begründung, daß er zu spät gekommen sei.

Es verbreitet sich die Nachricht vom Ausrücken der Armeen der beiden Großmächte, die im Streit um Fausts Entdeckungen in kriegerischer Absicht aufeinander zuschreiten. Faust schickt seinen Diener zu ihnen aus, um ihnen mitzuteilen, daß er seine Erfindungen und Forschungsunterlagen bereits vernichtet habe. Tatsächlich beginnt Faust, diese Blätter ins Feuer zu legen, als bäte er Margarethe und Gott um Vergebug, um alles wieder gut zu machen. Vergebens eilt Barzils herbei und versucht, die Dokumente zu stehlen, Faust hat sie bereits alle vernichtet. Mit einem vergifteten Degen, den er unter seiner Kleidung verborgen hatte, versetzt er Faust einen tödlichen Stich und verlangt vom Teufel seine Belohnung. Doch der verhöhnt ihn nur:

 

            Teufel: "Von Deiner Sorte gibt es Hundert Millionen, jeder Art und jedes Alters. Seit Ewigkeiten warte ich aber darauf, einen wie Faust zu finden."

            Barzils: "Was soll ich jetzt tun. Ich habe Angst"

            Teufel: Geh und nimm dir das Leben.[34]

 

Im Sterben rät Faust seinem Freund Barzils, nicht auf den Teufel zu hören. Aber Barzils springt vom Balkon und stirbt. Faust vererbt all seinen Besitz an seinem Diener Wagner und Olga. Während er mit dem Tod ringt, erscheint ihm ein letztes Mal der Teufel, der ihn in letzter Minute vom rechten Weg irrezuführen versucht. Aber Faust leistet dem Teufel Widerstand: "Versuch mich nicht irrezuleiten, der Vorhang ist gefallen.[35] Engel umkreisen ihn und seine Seele steigt in den Himmel empor.[36] 

 

In B_ka__rs Theaterstück gilt die sexuelle Versuchung als die größte Waffe des Teufels. Dem Satan gelingt es, Fausts Seele durch Befriedigung seiner Sinne zu kaufen. Der Grund für Fausts Leiden ist an erster Stelle die unerreichte Liebe und erst an zweiter Stelle sein unlöschbares Streben nach Wissen. Mit der Entscheidung Margarethes, sich dem Klosterleben zu widmen, verlagert B_ka__r das Interesse auf die Liebesgeschichte zwischen Faust und Margarethe. Die Dirne, die Faust zunächst für Margarethe hält, sagt frech zu Faust: "Du kannst mich, meine Familie und meine Klostergemeine jetzt entehren, wenn du willst".[37] Als Faust aber Gott fürchtet und versucht, ihren Reizen zu widerstehen, "tanzt [die falsche] Margarethe einen verführerischen Tanz und entkleidet sich dabei Stück für Stück, wobei Faust mal den Blickt abwendet, mal gierig hinglotzt.[38] Schließlich siegt die Sünde, "er wirft sich in ihre Arme und sie sinken in stürmischer Umschlingung zu Boden,"[39] eine Szene, die an eine Striptease Show erinnert. Ebenso gibt es diese sexuellen Untertöne in einem Gespräch mit Bazils über die zypriotische Dichterin Sappho, die sich Faust vom Teufel wünscht.[40] Er erklärt, warum:

            Faust: "Als ich ihre Liebesgedichte auswendig lernte, begehrte ich sie und wollte sie in meine Arme nehmen."

            Barzils: "Und wie fandest du sie?"

            Faust: "Ich fand keinen Unterschied zwischen ihr und einer zypriotischen Schafs­hirtin."

Er fährt fort:

            Faust: "Heiligenscheine schwinden bei der körperlichen Berührung, und nichts davon bleibt übrig."[41]

Ich vermute, daß diese sexuellen Szenen unter anderem ein Grund sind, weshalb die Erben von B_ka__r bis jetzt gezögert haben, das Stück zu veröffentlichen.

 

Ebenso zentral wie die körperliche Versuchung sind bei B_ka__r die persönlichen Krisen seiner Charaktere, ihr Glaubenszweifel und ihre psychischen Ängste. Glaube und Zweifel wechseln sich in Fausts inneres Bewußtsein einander ab. Einerseits füchtet er Gott, andererseits leugnet er ihn: "Warum soll ich ein lügnerisches Phantasiebild fürchten?"[42] Während sein innerer Zwikampf und seine Zweifel im zweiten Akt immer stärker werden, gewinnt Faust gegen Ende des Theaterstückes an Zuversicht und Kraft und kann dem Teufel standhaft gegenüberstehen: "Du hast meinen Glauben an Gott nur gestärkt. Erst als ich dich kennengelernt habe, konnte ich die reine Wahrheit erfahren".[43] Diese Sicht regt zu Fragen an. Ist der Teufel ein Weg zur Gotteskenntnis? Kann das Böse also positiv sein? Kommt diese Synthese vom Teufel und der Wahrheit aus der mystischen Tradition?

 

Die Gespräche zwischen dem Teufel und Faust handelt von der Dialektik des Guten und Bösen: Nichts kann ohne sein Gegenteil existieren. Ohne Glaubenszweifel gibt es keinen Glauben. Auch unmittelbar nachdem sich Faust vom Pakt des Teufels loslöste, sehen wir Faust, wie er sich in ein Gespräch mit dem Teufel über ethische Fragen einläßt.

Teufel: "Ich bin eine Illusion, und alles um dir herum ist Illusion. Alles, was unter dir und über dich ist, ist Illusion"

Faust: "Du auch?"[44]

 

Während Faust argumentiert, daß es feste Tatsachen gäbe, die man nicht anzweifeln könne,

z.B. daß die Erde eine Kugel sei, zweifelt der Teufel auch diese Tatsachen an.

 

Teufel: "Es wird in jedem Fall klar geworden sein, daß es keine Wahrheit gibt" (...)

Faust: "Leugnest du die Existenz Gottes?"

Teufel: "Um Gottes willen. Ich habe nicht gewußt, daß du ihn gemeint hattest (...) Seine Existenz steht nicht unter Zweifel. Ich bin der erste Monotheit. Ich zweifle nur an seine Gerechtigkeit und Weisheit."

Faust: "Wenn du die Existenz Gottes nicht anzweifelst, kannst du auch nicht seine Gerechtigkeit und Weisheit anzweifeln. Gott gibt es nicht ohne Gerechtigkeit und Weisheit." (...)

Faust: "Der menschliche Verstand ist begrenzt." (...)

Teufel: "Du kennst nicht die Götter. Sie beneiden den Menschen, der die Geheimnisse der Welt und der Natur zu entdecken versucht, weil sie fürchten, daß der Mensch mit ihnen um die göttliche Macht streitet. Kennst du nicht die Geschichte von Prometheus, wie er vom Gott Zeus bestraft wird?"[45] 

 

Gott und der Teufel scheinen in Harmonie und gegenseitiger Eintracht zu existieren. Es gibt keinen Widerspruch, wenn der Teufel Gott zum Zeugen für sen Bündnis mit Faust macht und auch hier wird ausdrücklich klar gemacht, daß der Teufel niemals die Existenz Gottes leugnen würde. So scheint er doch gläubiger als die Menschen zu sein. Eindeutig haben wir hier ein islamisches Verständnis vom Teufel. Nach dem Koran war der Teufel der erste Monotheist (awwal al-muwa__id_n).

 

Durch Faust scheint B_ka__r all seine eigenen Fragen und Zweifel und seine nicht verwirklichbaren Wünsche und Vorstellungen auszudrücken.

 

Es werden Fragen aufgeworfen, etwa über die verschiedenen Vorstellungen von Himmel und Hölle, Fragen über Gerechtigkeit. Es sind Fragen, in denen Faust die Urteile des Teufels zu wider­sprechen versucht. Die Bewohner des Paradieses seien auf keinen Fall passiv:

 

            Nein, dies ist eine falsche Vorstellung. Im Paradies gibt es keine Langeweile und auch keinen Überdruß. Ihre Bewohner müssen sogar kämpfen, wennauch ihr Kampf frei ist von aller Spannung, Müh und Pein. Dem Paradies fehlt es nicht an der Freude des Fortschritts und der Innovation.[46]

 

Dies scheint mir ein neues Bild des Paradieses. Fortschritt und Innovation sind kein Geschenk vom Himmel; sie sind Folge vom Kampf, den die Paradiesbewohner gleich wie die Bewohner der Erde führen müssen, um zu ihren Zielen zu kommen. In diesem Punkt gibt es keinen Unterschied. Der Mensch hat seinen freien Willen und trägt sein Schicksal auch im Paradies. Das Paradies ist keine konstante stabile Welt, sondern eine sich immer verändernde, stets erneuernde sich entwickelnde Welt.

 

In der Auseinandersetzung über das Paradies läßt sich eine apologetische Einstellung des Autors lesen: Faust bringt alle Argumente an, um die Vorteile des Paradieses hervor­zubringen und den Argumenten der Ungläubigen entgegenzutreten (das Paradies sei keine Herausforderung, weil es in ihm alles gibt und es daher langweilig ist). Faust als Werbung für das Paradies und für den Glauben an Gott, als Hafen der Ruhe und Sühne.

 

Hier nimmt Faust eine rechtfertigende Position ein, indem er dem Teufel weismachen will, welche Vorteile der Glaube für den Menschen hat. Faust als Vermittler zwischen Gott und dem Teufel? Will er den Teufel bekehren? Ein sinnloses Streben, das von Anfang an scheitern wird. Sogar die Existenz des Teufels wird zur ethischen Gesinnungsfrage, das Böse zur Notwendigkeit für die Existenz des Guten.[47]

 

B_ka__r stellt die Frage nach der gerechten Herrschaftsform. Faust sucht nach der Möglichkeit, den gerechten Herrscher zu finden. Als Barzils vorschlägt, daß Faust sich einer der beiden Großmächte anschließen solle, um sie anzuführen, "damit ihr der Sieg über der anderen gelingt und er Alleinherrscher über die ganze Welt wird", entgegnet Faust entrüstet: "Wehe dir! Dies will wohl der Teufel. Bei Gott, ich werde kein Tyrann auf Erden sein, der Menschen und Völker erniedrigt. Und ich werde kein Götzenbild sein, das von Menschen neben Gott angebetet wird."[48] B_ka__r verarbeitet häufig Koranverse in seinen Theaterstücken. Hier klingt deutlich Sure 28, Vers 19 durch:

            Du hast anscheinend nichts anderes im Sinn als Gewalttaten im Land zu verüben und willst keiner von denen sein, die für Frieden und Ordnung sorgen.[49]  

 

 

2.2. Charakteristische Merkmale

 

Im Folgenden werden die auffallendsten Merkmale von B_ka__rs Faust kurz zusammengefaßt:

 

1. Das Theaterstück ist ein ethischer Diskurs über Wahrheit, die absolute und täuschende Wahrheit.

Die Diskussion beruht auf Gegegensatzpaare, auf Synthese und Antithese: Gott versus Teufel, Gut versus Böse, Licht versus Dunkelheit, Existenz versus Nichts... etc. 

Faust gibt seine Seele dem Teufel gegen Unsterblichkeit, Erkenntnis und ein genießerisches Leben. B_ka__r macht aber einen großen Fehler: Faust findet den Weg zu Gott erst, als der Teufel sich nicht an ihre Abmachung hält und sich weigert, ihm alle wissenschaftlichen Lösungen zu bieten, die Faust von ihm verlangt. Das heißt, daß Faust nicht von selbst, aus eigener Intiative, den rechtleitenden Weg findet, sondern erst dann, wenn Satan sich weigert, ihm die Schlüssel der Wissenschaft zu geben.

 

2. Der sufische Charakter ist im gesamten Stück deutlich erkennbar: die Entscheidung der weiblichen Charaktere, sich dem abgeschiedenen Nonnenleben zu widmen, Fausts Wundertaten und seine von Gott durch mystische Intuition unmittelbar verliehe Wahrheits­erkenntnis (al-_ilm al-ladun_), sowie das positive Verständnis vom Teufel als ersten Monotheisten. Im ersten Akt von B_ka__s Faust al-_ad_d wird ausdrücklich Gott zum Zeugen für den Pakt zwischen Faust und dem Teufel gemacht.

 

Das Einbeziehen von Gott im Pakt des Teufels erklärt sich durch B_ka__rs islamisches Verständnis vom Teufel. Nach dem Koran war der Teufel der erste, der Gott als Alleinherr­scher anerkannte (awwal al-muwa__id_n). Selbst wenn er sich nicht vor ihm niederknien wollte, weil er glaubte, daß keiner außer Gott das Recht habe, sich nieder­zuknien, zweifelt der Teufel nie Gottes Existenz an. Da der Teufel Gott also nicht ablehnt, hat er auch nichts dagegen, daß Gott ihr Zeuge ist.[50] Dies alles sollte man mit B_ka__rs mystisch-philosophi­schen Anschauungen verbinden.

 

3. Der Teufel ist fähig, alle Wünsche von Faust zu erfüllen und sich selbst in beliebigen Gestalten zu verwandeln. Er kann fromme Wissenschaftler - die ihn absolut ablehnen - irreleiten und andere, die sich ihm anbiedern, zurückweisen. Er ist so mächtig, daß er fast wie Gott, Menschen schöpfen kann, die Instrumente seiner Verführungen werden. Im Islam aber kommt alles von Gott. Der Teufel spielt eine kleinere Rolle. Hier scheint B_ka__r das christliche Bild des Teufels übernommen zu haben, da er die Macht des Satans deutlich vergrößert.

 

4. Das dramatische Ende ist das typische Ende einer Shakespeareanischen Tragödie: Wir haben am Schluß drei Tote (Margarethes Tod, Barzels Selbstmord, Fausts Ermordung durch Barzils). Margarethe stirbt, weil sie gut ist, Barzils tötet sich, um für sein Vergehen zu sühnen und Faust wird getötet, um die Welt vor dem Verderben zu retten. Hier wird die christliche Idee der Selbstaufopferung von Jesus für die Menschheit nachgebildet. Vielleicht hat sich B_ka__r hier durch die Faustdarstellungen in der westlichen Literatur inspirieren lassen.

 

5. Nach dem Tod der drei Hauptpersonen schlagen drei andere einen neuen Weg ein: Emi tritt in einem Orden ein, um dem frivolen Liebesleben zu entsagen; Wagner ist sich in seiner Liebe zu Olga entgültig sicher und hält an Olga fest. Olga erkennt am Ende, daß Margarethe ein Trugbild des Teufels war und daß Wagner ihr treu geblieben war.

 

6. Indem B_ka__r mit Gegensätzen arbeitet und Doppelgänger ins Spiel bringt, leugnet er die Koexistenz von Gut und Böse in einer Person. Margarethe personifiziert immer das Gute, Barzils immer das Böse. Wenn die Margarethe entehrt wird, kann es niemals die gute Margarethe sein (wie es bei Goethe der Fall ist) sondern es muß eine falsche Dirne sein, die der echten Margarethe äußerlich bis aufs Haar ähnlich ist.

Die meisten arabischen Stücke, die das Faust-Thema verarbeiten, geben dem Teufel die Verantwortung und Schuld für das, was Faust getan hat. Er verführt ihn, er lenkt ihn in die falsche Bahn. Es sind somit keine Charakter-Tragödien, in denen die Veranlassung des Leidens in den Eigenschaften der Personen selbst lieg, sondern vielleicht eher Schicksal­stragödien, in der Faust das auserwählte Opfer des Teufels wird. Die begangene Schuld zeigt, wie unvollkommen der Mensch ist. Sie ist aber auch gleichzeitig der erste Schritt zur Buße. Das Kind, das als Margarethes Kind in _In_n_s Stück auf die Welt kommt, war in Sünde geboren, ein uneheliches Bastardkind, auch in Goethes Zeiten, wie noch in der modernen arabischen Gesellschaft, eine Schande. Daher ist ihr Kindermord vielleicht sogar für den arabischen Leser verständlicher als für den modernen europäischen Leser.

 

7. Wie im Text schon an verschiedenen Stellen deutlich wurde, verarbeitet B_ka__r den Koran und den _ad__ intertextuell, was B_ka__rs religiöse Bildung reflektiert. 

 

8. In B_ka__rs Faust al-_ad_d wird die sufische Geschichte von der Begegnung von _i_r und Moses in umgekehrter Version dargestellt. Faust sucht das Wissen so wie Moses das Wissen in der Geschichte sucht; nur sucht Faust es beim Teufel, während Moses es beim _i_r sucht. In der Geschichte hat _i_r das ewige Leben, so wie Faust im Theaterstück das ewige Leben wünscht. In der Geschichte hält Moses fest am Glauben an _i_r, obwohl dieser unver­ständliche und grausame Dinge tut. Moses kann am Ende nicht die Bedingungen von _i_r durchführen, weil es ihm unmoralisch erscheint. Im Theaterstück scheint Faust auch lange mit den Untaten des Teufels Geduld zu haben, bis er am Ende doch seinen Vertrag mit ihm löst und die vom Teufel unterstützten Erfindungen vernichtet. Der Teufel seinerseits beginnt, nicht alle Wünsche von Faust zu erfüllen, da sie nicht in seinem Konzept passen. In beiden Geschichten werden Verträge abgeschlossen, in der von al-_i_r einen mündlichen, in der von B_ka__r einen schriftlichen.

 

9. Das späte Verfassungsdatum, das man um 1967 vermutet, scheint mir nicht schlüssig, da die Zeit der Handlung inhaltlich auf den zweiten Weltkrieg hinzudeuten scheint. Es kommen zwei Großweltmächte vor, die gegeneinander Krieg führen. Die vom Teufel unterstützten Erfindungen von Faust scheinen auf die Entwicklung einer gefährlichen zerströrerischen Waffe wie die der Atombombe hinzudeuten. 

 

10. Die sexuellen Szenen im Stück sind selbstverständlich nicht zur Erregung des Zuschauers gedacht. Sie sind Zeugnisse des stark moralisierenden Inhalts. Frauen werden von B_ka__r verteidigt. Sie sind keine schuldigen Sexsymbole, wie oft bei islamisch orientierten Autoren dargestellt wird.

 

Im Gegenteil: In B_ka__rs Theaterstück sind alle Frauen Symbol der Reinheit. Margarethe und Emi wollen den Lebensfreuden entsagen und treten in ein Orden ein, um sich frommen Übungen zu widmen. Sogar Margarethes Doppelgängerin, die Dirne, ist hilflos, weil sie keinen Besitz hat, nicht einmal sich selbst. Olga ist von Anfang an Symbol der Ehre und Treue. Frauen sind bei B_ka__r somit nicht der Weg zum Sündenfalls. Sie sind zuversichtlich, treu und voller Gottesfrömmigkeit. Faust erfährt die mystische Wahrheitserkenntnis erst, als er der Versuchung widersteht und seinen Blick von der Erscheinung der schönen Helena abwendet. Erst dann sieht er das Licht Gottes und sieht die wahre Margarethe, die in diesem Augenblick gekommen ist, um ihn an Gott zu erinnern.

 

11. Wie ich nachfolgend erläutern werde, stimmt B_ka__rs Text in manchen Punkten mit dem Goethe Text überein, unterscheidet sich aber wiederum auch in wesentlichen anderen Punkten.

 

12. B_ka__r scheint sich gründlich mit den griechisch-römischen Legenden befaßt und intensiv Quellen studiert zu haben. Er verarbeitet sie in seinem Stück, ohne daß man den Eindruck bekommt, daß er sie von Goethe abschreibt oder sie künstlich auf der Handlung aufpropft.

 

13. Eine eindeutige Schwäche im Stück sind Fausts schlecht nachvollziehbaren Beweggründe, weshalb er sich dem Teufel verkauft. Es ist wenig überzeugend, daß es sein sexuelles Begehren, seine Verzweiflung und unkontrollierbare Wollust sind, die ihn in die Arme des Teufels treiben. Der Teufel als Ersatz für die Liebe und die sexuelle Befriedigung? Dies ist ein banaler Grund, der die Genialität von Faust minimalisiert. Schließlich quälen ihn noch vielerlei andere Dinge.

 

B_ka__r konnte offensichtlich sein vom "verdorbenen" Westen voreingenommenen Publikum nur durch Extremfälle überzeugen (weltliche Entsagung und abgeschiedenes Nonnenleben als Symbol der Reinheit u.a.). Er konnte die moralische Tugend seiner christlichen Helden also nur durch Religiösität überzeugend darstellen. In einer westlichen Gesellschaft, in der der freie Geschlechtsverkehr längst zur Normalität geworden ist, wäre ein Konflikt wie der Dargestellte zwischen Margarethe und Faust nicht denkbar gewesen. Es wäre dem heutigen Zuschauer absurd vorgekommen, sich die Handlung in seiner Zeit verlegt zu sehen. Goethes Zeiten scheinen jedoch moralisch in Einklang zu sein mit den moralischen Vorstellungen eines heute lebenden Muslims. Glaubhaft wird Margarethes Puritanismus für einen Muslim erst durch ihr Eintritt in ein Orden. Dann hat ihre Moral einen Sinn bekommen. Vielleicht sind dies B_ka__rs Zugeständ­nisse an seiner mit dem Westen weniger Vertrauten Leserschaft, um auch diese Schicht zu erreichen, zwecks pädagogischer Moralpredigt.

 

Christian Szyska interpretiert Fausts Widerstand gegen Helena als Widerstand gegen den Westen per sé:

 

            (...) the rejection of Helen by the "New Faust" means a rejection of Western influence and culture as such. In Islamic discourse European decadence is partly due to the Greek pagan heritage. In this way, B_kath_r subverts acknowledged Western ideals and lets the mystic Faust supersede its seducing impact.[51] 

 

Ich sehe dies nicht so, da die griechische Kultur eine vorislamische Kultur ist also im Sinne der strengen Muslimen von Gott noch nicht aufgeklärt worden. Aristoteles und Platon, die von muslimischen Gelehrten wie Averroes und andere kommentiert und verarbeitet worden sind, waren schließlich auch von Muslimen als Freidenker anerkannt worden.

 

Fausts Wandel zum Bösen bzw. seine Bereitschaft, mit dem Teufel zu arbeiten, ist also erzwungen durch die Situation, daß Margarethe Nonne wird. B_ka__r wollte eine Erklärung geben, jedoch sucht er den Grund nicht in Fausts übermaßlichen Ehrgeiz und seine Machtsucht, sondern in seiner Charakter- und Willensschwäche und seinem Zweifel an Gott.

 

Ein weiterer Fehler im Stück: Als  Margarethe sich weigert, in dem vom Teufel geschenkten Schloß zu wohnen (was ihre Gerechtigkeit und ihr moralisches Denken anschaulich machen soll), bleibt Faust die ganze Zeit über in diesem Schloß, auch dann, als er sich vom Pakt des Teufels losgelöst hat. Nicht nur das, er vererbt dieses Schloß und all seinen Besitz, den er mit Hilfe des Teufels erworben hatte, seinem treuen Diener Wagner und seine Freundin, Olga. Es wäre schlüssiger gewesen, wenn der reuevolle Faust sich von seinem Reichtum getrennt hätte, so wie er auch all seine Notizen zu den von ihm durch Teufels Hand erworbenen wissenschaftlichen Erkenntnissen vernichtet hat. Glaubhafter wäre es gewesen, wenn er sich auch vom materiellen Gut losgelöst hätte.

 

14. Eine weitere Schwäche im Stück: Faust entjungert Margarethe nach seiner Reue und Loslösung vom Pakt des Teufels. Dies wird damit begründet, daß er Margarethes Tugend prüfen will, nachdem sie ihn überzeugen konnte, daß sie nicht die Dirne war, die ihm der Teufel gebracht hat.

 

15. An mehreren Stellen versucht B_ka__r, den Islam und den Christentum zu versöhnen, indem er die gemeinsamen Grundpositionen, wie die Vorstellungen von Gut und Böse, vom Diesseits und Jenseits hervorhebt. Offenbar bemühte sich B_ka_ir darum, die Unterschiede und strittigen Punkte zu meiden. Dies erklärt zwar B_ka__rs Friedenswille und Toleranz, ist aber theologisch wenig überzeugend. Es zeugt für B_ka__rs Offenheit gegenüber anderen Religionen und besagt vielleicht, daß er ein guter Dramaturg ist, aber es sagt nicht, daß er ein guter Theologe ist und daß er sich in theoretischen Fragen über Religion genügend auskennt. Was ist nun im Stück islamisch?

a. Seine Darstellung des Teufels, des Paradies, des Individuums und sein Verhältnis zur Gesellschaft und zur Macht ist islamisch

b. Im Islam geht keiner ins Kloster, es gibt auch kein Zolibat und islamische Mystiker verzichten nicht auf ihren sexuellen Genuß (die meisten von ihnen sind verheiratet). Ihre Moral wird also nicht im sexuellen Verzicht gemessen. Währenddessen wird die Tugend der Christen religiös begründet: Christen sind nur dann gute Menschen, wenn sie fromm sind und sexuelle Abstinenz üben. Wenn also B_ka__r Christen als positive Hauptpersonen wählt, müssen sie ihre Tugend durch Religiösität beweisen. Anders wäre es gewesen, wenn er das Stück arabisiert und im islamischen Kontext verlegt hätte. B_ka__r denkt für die Christen vielleicht christlicher als die Christen.

c. In B_ka__rs Stück dominiert der Schicksalsgedanke: die Charaktere scheinen von einer unsichtbaren Macht geleitet zu sein. In B_ka__rs Theaterstück dominiert die Vorstellung der Vorherbestimmung durch Gott. Die Helden sind von einer Schicksalsergebenheit befallen und scheinen von einer unsichtbaren Macht geleitet zu sein. So überläßt sich Faust willenlos seinem Schicksal, das er schon vorherzuahnen scheint. Er weiß im voraus, daß Barzils ihn töten wird, was ihn veranlaßt, vorzeitig zu handeln. Seinen Diener schickt er zu den zwei großen Weltmächten aus, um ihnen mitzuteilen, daß sie keinen Krieg mehr nötig haben, da er bereits all die Unterlagen, in denen er seine Forschungsergebnisse notiert hat, vernichtet habe. Als er dann Barzils kommen sieht, macht er keine Veruche, sich zu verteidigen. Stattdessen überläßt er sich kapitulierend seinem Henker. Diese seltsame passive Wider­standslosigkeit entspricht nicht seinem Charakter und wirkt gar nicht überzeugend.

 

d. Sogar Fausts Wissensdurst wird religiös ausgelegt: In seiner Suche nach der höchsten Wahrheit ähnelt Faust einem Sufi der nach Gotteserkenntnis strebt. Dies wird ausführlich im Punkt Faust als Sufi dargestellt.

 

e. Vergleicht man B_ka__rs Stück mit Goethes Faust, so wird man interessante Unterschiede machen können. Bei B_ka__r ist zum Beispiel das Motiv der in der arabischen Gesellschaft verankerten Tradition der Blutrache thematisiert worden. Wagner ist der Bruder von Margarethe. Er nimmt Rache an Faust, der sie entehrt hat. Bei Goethe ist es umgekehrt - angefeuert vom Teufel, bringt Faust Valentin, Margarethes Bruder um. Er stirbt und verflucht seine Schwester als kupplerisches Weib. Sie verfällt in Wahnsinn, ertränkt ihr Kind und irrt umher, bis sie eingefangen und in den Kerker geworfen wird.[52]

B_ka_ir scheint ein historische anthropologisches Interesse für heidnische vorislamische Bräuche zu haben (z.B. Schwur mit Blut). Das Faustmotiv ist für ihn Anregung, den Islam mit dem Heidentum zu vergleichen.

 

Dadurch, daß Margarethe schon am Anfang in einen Orden eintritt und sie Hauptgrund für Fausts Leiden ist, schiebt sich das Interesse bei B_ka__r auf die Sexualität. Der Teufel kauft sich seine Seele, indem er zunächst Fausts sexuelle Begierde sättigt. Die Suche nach der Wahrheit wird am Rande geschoben. Sünde und Sexualität kommen somit bei B_k___r vor der Wissensgier. Bei Goethe kommt die Wissensgier vor der Sünde. Die Person Faust ist bei Goethe somit unaustauschbar. Er ist ein Genie, ein besonderer Mensch. Bei B_ka__r scheint er austauschbar, aber der Teufel schätzt ihn als etwas besonderes, was dem Leser nicht glaubhaft erscheint.[53] Vielleicht ist dies absichtlich. Indem B_ka__r einen normalen Menschen im Mittelpunkt setzt, sagt er, daß das, was dem Faust passiert, jedem passieren kann. Bei Goethe erscheint der Teufel nie in anderer Gestalt, wie er es bei B_ka__r tut. Er erscheint gar nicht und Mephistopheles ist sein Bote. Barzils, Verführer und Teufelsgehilfe, ist ein normal sterblicher Mensch, während Mephistoteles bei Goethe aus der Unterwelt kommt.

Goethes Faust scheint die Aussage zu haben: wenn der Mensch sich an Gott anmaßt und nicht die Grenzen kennt, die Gott ihm gegeben hat, dann kommt er ins Verderben. Hier ist die Aussage: Was der Teufel bringt, ist unecht und bringt nur Verderbnis. 

16. Vergleicht man Anfang und Schluß des Theaterstückes, kommt man auf eine interessante Zusammenstellung, die durch formal entgegengestellte Kontrapunkte gekennzeichnet ist. Wir haben z.B. folgende Gegenpole:

 

ANFANG                                                                    SCHLUß

Faust hat Selbstmordgedanken                          Faust wird ermordet

Barzils hält ihm vom Selbstmord ab                   Barzils tötet ihn

Faust ist voller Zweifel, bedrückt                                   Faust ist fromm, ein überzeugter Christ

Die Sinnlosigkeit des Lebens                             Leben und Tod bekommen einen Sinn

Sieg des Teufels in einem Moment der Schwäche          Teufel wird durch Fausts Charakterstärke,                                                                                durch s. Glaube u. seine Überzeugung                                                                             besiegt

Anwesenheit des Teufels und Dämone              Teufel u. Geister verschwinden, Engel erscheinen und begleiten Fausts Seele in den Himmel empor 

Ort: Fausts bescheidenes Arbeitszimmer                        Ort: Fausts gigantisches luxuriös. Schloß

 

Die kontrastive Gegenüberstellung zeigt, welchen Wandel Faust durchmachen muß, um zu seiner Zuversicht und zum Glauben zu kommen.


 

2.3. FAUST ALS SUFI

 

B_ka__rs Theaterstück Der Neue Faust kann aus vielerlei Hinsicht als ein sufisches Stück betrachtet werden, zumal sein Faust charakteristische Merkmale eines islamischen Mystikers hat:

1. Zum Beispiel ist die Skepsis bei Faust stark ausgeprägt. Sie kommt durch seine Zweifel an Gott zum Ausdruck. Mit dem Pakt mit dem Teufel, zu dem Gott Zeuge gemacht wird, erreicht Faust jedoch nicht all seine Wünsche. B_ka__r scheint jedoch Philosophie, scholastische Theologie (_ilm al-kal_m) und Logik (al-man_iq) durcheinander zu bringen. Vor allem wirken seine philosophischen Argumente unüberzeugend, als es um das Sein und das Nichtsein, um Himmel und Hölle, um das Leben und den Tod und um den Sinn bzw. die Sinnlosigkeit der Wissenschaft und Erkennntnis geht.

 

Diese Zweifel, die Faust begleiten, als er den Vertrag mit dem Teufel unterschreibt, sind dieselben Zweifel, die ihn auch danach weiter begleiten. Nach längerem Nachdenken kommt er zur Überzeugung, daß die menschliche Erkenntnis eine andere ist als das göttliche Wissen und daß es keinen Sinn mache, von Luzifer göttliches Wissen abzuverlangen, weil es nicht in seinem Verständnisvermögen liege, und er es nie begreifen werde, ob mit oder ohne Luzifers Hilfe. Das Wissen über das eigene Unvermögen ist prägend im sufischen Glaube.

 

2. Als Faust den Höhepunkt seines sündhaften Lebensstils erreicht, sieht er das Licht Gottes. Dies ist charakteristisch für die Laufbahn vieler islamischen Heiligen (aq__b at-ta_awwuf), die vom Zustand des Chaos, der Irreleitung und Sünde von einer äußeren oder inneren Stimme rechtgeleitet werden.

 

3. Ebenso kann man das Ende von Faust und Margarethe mystisch interpretieren. Die sufischen awliy__, Freunde Gottes, sehnen den Tod herbei und bestimmen, wann und wie der Tod geschehen soll. Sie sehen ihren Tod voraus und sind überglücklich, wenn sie im Sterben Gottes Licht erblicken. So sieht auch Margarethe ihren Tod voraus und sehnt sich ihn herbei (vierter Akt) und auch Faust weiß, daß er bald sterben wird und macht keine Versuche, zu fliehen, sondern heißt ihn regelrecht willkommen. Das Licht, das er erblickt, ist dasselbe "göttliche grüne Licht", das Sufis im Sterben sehen. Ebenso ist die Erscheinung der Engel, ihr Gesang und die Musik, die wie das Verkünden einer fröhlichen Botschaft klingt, typisch für den Tod islamischer Mystiker.

 

4. Barzils sieht den Menschen als Schöpfer, der sich an Gott anmaßt und wie Gott Dinge erschaffen will, wie es ihm gefällt (kun fayak_n). Trotzdem scheint der Schwerpunkt des Stückes woanders zu liegen: B_ka__r scheint sich doch mehr für die Sünde zu interessieren als für die Anmaßung des Menschen an Gott.

 

5. Ebenso bearbeitet _Al_ A_mad B_ka__r die Legende von Moses und der mystischen Gestalt des al-_idr. Der ewige Jüngling al-_idr, der nach dem alten Glauben Menschen in Not beisteht, ist das Vorbild, das Faust anstreben will. "Ich will wieder 20 Jahre alt werden,"[54] sagt er und wünscht sich damit, was im Islam dem al-_i_r vorbehalten ist.

 

6. Indem er die Nachteile des technischen Fortschritts vor Augen hält, will B_ka__r den Menschen an seine Pflicht erinnern, sich gerecht und respektvoll gegenüber seines Gleichen zu verhalten. So erreichbar die Wünsche des Menschen durch technischen Fortschritts auch sein mögen, die von Gott vorgeschriebenen ethischen Prinzipien und Werte müssen eingehalten werden. Selbstverständlich spielt B_ka__r hier den kalten Krieg zwischen den beiden Großmächten USA und Russland an und bei Fausts so wichtigen Entdeckung handelt es sich natürlich um die Atombombe. Dafür lohnt sich Fausts Selbstaufopferung: er vernichtet die Relativitätstheorie und tötet sich selbst (als Alleinwissender), um die Welt vor der völligen Vernichtung zu retten.

 

Diese abneigende Haltung gegenüber der Wissenschaft wird im dritten Akt widersprochen, als Faust in ihr den Weg zu Gott erkennt: "Indem ich Gott auf dem Weg der wissen­schaftlichen Erkenntnis erfahre, werde ich bald allen Menschen die Möglichkeit geben, Gott [auf diese Wiese durch den Verstand] kennenzulernen und in Liebe und Frieden zu leben."[55] In seiner Suche nach der höchsten Wahrheit, ähnelt Faust einem Sufi der nach Gotteserkennt­nis strebt:

 

            Faust: "Ich werde nicht ruhig sein, ehe es nicht jeden Menschen ermöglicht wird, die höchste Wahrheit zu erreichen."[56] An einer anderen Stelle ist dieser Dialog:

            Barzils: Liegt es nicht in Gottes Macht, dir dieses wissenschaftliche Problem in Blitzeseile zu lösen, wenn er es gewollt hätte?"

            Faust: "Ja, ohne Zweifel."

            Barzils: "So wie er dir sein Gesicht in Blitzeseile gezeigt hat?"

            Faust: "Ja, gewiß."[57]

 

Und als Faust Gott bittet, Margarethe von ihrer Krankheit zu heilen, ruft er:

"O Herr, ich schäme mich, Dich herbeizurufen, aber wen außer Dich kann ich sonst anflehen. O Gott, der Arzt gab sie auf, so laß sie durch Deine Kraft wieder gesung werden. Wenn Margarethe von ihrem Leben, das ihr (vom Schicksal) zusteht, nichts mehr übrigbleibt, so gib ihr den Rest der Zeit, die ich noch vom Leben habe und nimm mich zu Dir."[58]

Dieses Gebet erinnert uns an sufische Gebete, insbesondere die, die Sufis gegen Ende ihres Lebens auszusprechen pflegen, wenn sie den Tod ersehnen als Erlösung von dem, was sie Böses getan haben. Und als Margarethe am Schluß selbst den Tod wünscht, geht ihr Wunsch in Erfüllung und sie sieht ihn voraus. Ihre letzten Worte an Emi sind:

"Vergiß nicht, meinen Leichnam im Familiengrab neben dem meines Vaters beizusetzen."[59] Dies ähnelt den Todesvorbereitungen der awliy__.

Dasselbe gilt für Faust: Er weiß im voraus, daß er durch Barzils Eingriff sterben wird und reagiert auf diese Vorhersage, indem er Wagner zu den zwei zum Kampf anrückenden feindlichen Armeen ausschickt, um ihnen seinen Tod (im voraus) mitzuteieln. Auch seine Vorhersage geht in Erfüllung.

 

Warum gibt B_ka__r seinem Stück den Titel Der Neue Faust? Hat "neu" die Bedeutung von zeitgenössich? Oder will B_ka__r damit auf die Islamisierung des Stückes hinweisen? Auf jedem Fall wollte B_ka__r keine Kopie von Goethe machen. Sein Faust ist ein anderer.


 

3. Warum ist Faust ein verlockender Text?

 

Faust ist ein Text, der Autoren und Leser gleichsam bezaubert, der immer wieder von Neuem geschrieben und neu interpretiert wird. Nur wenige Texte haben diesen Zauber und die Tatsache, daß er über die geographischen und lingualen Grenzen Europas in ferne fremde Länder gelangte und in anderen Sprachen Verbreitung fand, beweist doch gerade, wie allgemeingültig und global dieser Text ist. Folgende Faktoren begünstigen die Verlockung dieses Textes:

 

1. Der Fausttext basiert auf den Kampf zwischen Gut und Böse und zwischen den unbegrenzten und begrenzten Möglichkeiten der Gelüste, genauer formuliert: der Text ist Ausdruck einer inneren Spaltung und Ohnmacht, die der Mensch empfindet, wenn er an die Grenzen des Möglichen stößt. Sein Leiden wird durch diese Grenzen verursacht, die Grenzen zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen, zwischen der Stärke und der Schwäche, zwischen Freude und Verdruß, es ist dieser Moment des Schwankens, das ihm unendlich Schmerz bereitet, wenn er glaubt, am Gipfel der Erkenntnis zu kommen und den Faden verliert oder merkt, daß es reine Illusion gewesen ist.

 

2. Im Faust-Thema steckt auch der Wunsch zum ewigen Leben, von der ewigen Jugend. Faust will die Zeit festhalten und ewig jung sein, als führe er einen Krieg mit der Zeit. Diesen Kampf mit der Zeit und die Auseinandersetzung mit dem Altwerden hat etwas Menschliches. Und es ist das Bedürfnis jedes Menschen, an jedem Ort und zu jeder Zeit und in allen Kulturen der Welt, einmal absolutes Wissen, Macht und ewige Jugend zu besitzen, auch wenn dies nur theoretisch durch einen Text durchzudenken ist. Es ist ein Spiel der Phantasie, das Unmögliche, Unerreichbare, möglich und erreichbar zu machen, als wolle der Mensch damit die Grenzen der Wirklichkeit sprengen.

 

3. So wie es von arabischen Autoren behandelt wird, scheint das Faust-Motiv vom Determinismus geprägt zu sein. In manchen islamistisch-tendierenden Stücken jedoch siegt schließlich doch der Wille des Menschen. Pessimistischer sind dagegen säkularistische bzw. linke Autoren, wie wir am Beispiel von _In_n_s Stück gesehen haben.

 

4. Das Stück ist an keinem lokalen Ort und keiner bestimmten Zeit gebunden; es verliert nicht seinen Sinn, wenn es woandershin verlegt wird. Darin liegt sicherlich auch der Grund, weshalb es auch für andere Kulturen von Bedeutung sein kann.

 

5. Die Tatsache, daß schon viele westliche Autoren sich mit dem Faust-Thema beschäftigt haben (Christopher Marlow, Goethe, Thomas Mann, Heine und andere), gibt anderen nicht-europäischen Autoren sicherlich Anregung, es in ihrer Heimatssprache selbst zu versuchen.

 

6. Die Verlockung des Textes liegt außerdem darin, daß das Thema, auch aus anderer Sicht gesehen, politischen Zielen dienen kann: im Gewand des Goethe-Textes setzt man sich indirekt mit der Gegenwart des Autors auseinander und übt Kritik, ohne der Zensur auffallen zu müssen (wie bei Der Knecht des Teufels von Ab_ _ad_d).

 

7. Das Faust-Thema, das einen Menschen darstellt, der sündigt, weil er ehrgeizig ist und unermüdlich den Kern der asoluten Erkenntnis sucht, läßt keine Schwarz-Weiß-Malerei zu. Denn fehlbar ist der Mensch, will die Geschichte sagen. Den absolut guten oder absolut bösen Menschen gibt es nicht. Das Faust-Motiv setzt daher beim Leser eine gewisse Toleranz gegenüber der Sünde voraus und die Bereitschaft, die Fehler des Helden zu vergeben. Gretchen bleibt rein, auch wenn sie sündigt, und für Fausts Leiden und Bestrafung bringt man viel Sympathie entgegen.

 

Daher wird das Faust-Motiv auch in Zukunft immer noch und immer wieder verlocken und Autoren anregen, es neu zu schreiben.


 

Theaterstücke und Kurzgeschichten

die nach der Faust-Legende nachgebildet sind

 

B_ka__r, _Al_ A_mad (1910-1969)                F_ust al-_ad_d (Der neue Faust) unveröffentlich­tes Manuskript, maschin., verfaßt um 1967

B_ka__r, _Al_ A_mad                                     H_r_t wa M_r_t (Harut und Marut) 1963

 

al-_ak_m, Tawf_q (1902-1987):                      Sulaim_n al-_ak_m (Sulaim_n der Weise) 1944

al-_ak_m, Tawf_q                                            Na_wa _ay_tin af_al, Kairo 1955 in al-Masra_ al-munawwa_ 1923-1966, Maktabat al-_d_b, Kairo 1966.

al-Hak_m, Tawf_q                                           _Ahd aš-šai__n (Pakt des Teufels)       1938   

al-_ak_m, Tawf_q                                            al-Mar_a al-lat_ _alabat aš-šai__n (Die Frau, die                                                                  den Teufel besiegte) 

al-_ak_m, Tawf_q                                            aš-Šai__n f_ _a_ar (Der Teufel ist in Gefahr)                                                 

al-_ak_m, Tawf_q                                            Šahraz_d (Sheherezade) 1934

 

Ab_ _ad_d, Mu_ammad Far_d                        _Abd aš-Šai__n (Der Knecht des Teufels) 1945

(1893-1967)                                                               

Ibr_h_m, Sayyid                                               "Aš-Šai__n wa 'wa__y_ as-sab_a (Der Teufel und die sieben Gebote" Kairo 1980

Ra_w_n, Fat__ (1911-1988)                           Dum__ Il_s (Die Tränen des Teufels) 1956

 

L_š_n, Ma_m_d __hir (1894-1954)                 Maf_s____l_s (Mephistoteles)

 

Ma_m_d Taim_r (1894-1943):             Aš_ar min Ibl_s (Geschickter als Ibl_s)

 

Wahb_, Y_suf                                      aš-Šai__n  (Der Teufel)

Wahb_, Y_suf                                      Saf_r _ahannam (Botschafter der Hölle)

 


 

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     [1]Serienweise erschienen in Ma_allat al-Bay_n.

     [2]_Awa_ übersetzte das Stück direkt vom originalen deutschen Text, das Vorwort schrieb __ha _usain, siehe Aladin Hilmi, Die Rezeption Goethes in Ägypten, Hans-Dieter Verlag (Akademischer Verlag), Stuttgart 1986, S. 54; Spätere Übersetzungen sind etwa die von Ism___l K_mil, _Abdul _al_m Karr_ra 1959, Mu__af_ M_hir 1975, _Abdul Ra_m_n Badaw_ 1998. Ism___l K_mils sehr freie Version ist in der Taschenbuchreihe al-_aib (Seriennummer 262) erschienen. Eine weitere Tschenbuchversion ist in der selben Reihe unter dem Titel "Der Teufel", ebenso ohne Jahresangabe (Seriennummer 534) und ohne Angabe des Übersetzers, erschienen, Aladin Hilmi, ibid., S. 55; Karr_ras Übersetzung, die 1959 in Alexandrien erschienen war, ist der erste Versuch, den zweiten Teil von Goethe in Versform zu übersetzen. Sie enthält außerdem eine ausführliche Einleitung über Goethe. 1975 kam Mu__af_ M_hirs Übersetzung mit dem Titel "Die Ursprünge von Faust" mit ausführlicher Lebens- und Werkbeschreibung heraus. Die letzte Prosa-Ausgabe von _Abdul Ra_m_n Badaw_ (1997), in der Serie __lam al-Ma_rifa in Kuwait erschienen, wird allgemein als die beste bezeichnet. Sie verfügt über einen ausführlichen Handapparat mit kommentierten Fußnoten. 

     [3]Mu_ammad _Abdul Mun_im ___ir, der Biograph von Ab_ _ad_d, behauptet, daß Ab_ _ad_d das Theaterstück schon 1929 geschrieben hat, Mu_ammad _Abdul Mun_im ___ir, Mu_ammad Far_d Ab_ _ad_d, S. 25. Khalil Shaikh gibt das Jahr 1945 für das Datum der ersten Veröffentlichung an und behauptet, das Stück sei in D_r al-ma__rif erschienen, siehe Khalil Shaikh, Der Teufel in der modernen arabischen Literatur, S. 169; die 1944er Ausgabe, die ich ausfindig machen konnte, ist nicht bei D_r al-ma__rif, sondern im Verlag D_r al-kutub al-mi_riyya erschienen; Robert B. Campbell wiederum behauptet, daß _Abd aš-šai__n schon 1933 bei D_r al-ma__rif erschienen ist, siehe Robert B. Campbell, Contemporary Arab Writers, Biographies and Autobiographies, Franz Steiner Verlag, Stuttgart/Beirut 1996, Bd. 1, S. 182.

     [4]Ahriman, "mittelpersischer Name für Angra Manju ("böser Geist"), den Wdersacher des guten Gottes Ahura Masda", Meyers Großes Taschenlexikon, Bd. 1, Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1981, S. 156.

     [5]__nbul_d, Ort der Handlung, ist das selbe fiktive Land, in dem Ab_ _ad_d einen anderen Roman spielen läßt, nämlich sein Spätwerk _u__ f_ _anbul_d, welches eine Gesellschaftssatire ist. Sowohl hier wie dort ist __nbul_d ein Symbol für Ägypten.

     [6]M. Far_d Ab_ _ad_d, _Ahd aš-šai__n, S. 110.

     [7]ibid., S. 111.

     [8]ibid., S. 127.

     [9]ibid., S. 144.

     [10]ibid., S. 146.

     [11]ibid., S. 148.

     [12]Tawf_q al-_ak_m, "Na_wa _ay_tin af_al" (Ein besseres Leben) 11955 in Tawf_q al-_ak_m, al-Masra_ al-munawwa_ 1923-1966, Maktabat al-_d_b, Kairo 1966, S. 816.

     [13]ibid., S. 816.

     [14]Tawf_q al-_ak_m, Ein besseres Leben, ibid., S. 829.

     [15]ibid., S. 819.

     [16]Sayyid Ibr_h_m, "Der Teufel und die Sieben Gebote" aus der Kurzgeschichtensammlung aš-Šai__n wa 'l-wa__y_ as-sab_, Kairo 1980, S. 20.

     [17]Mu_ammad _In_n_, Faust in Ma_allat al-masra_, 112(März 1998), S. 78.

     [18]ibid., S. 81-82.

     [19]ibid., S. 83.

     [20]ibid., S. 85.

     [21]ibid.

     [22]ibid., S. 86.

     [23]ibid., S. 87.

     [24]ibid., S. 88.

     [25]siehe Khalil Shaikh, S. 190; Lutz Edzard and Christian Szyska, Encounters of Words and Texts: Intercultural Studies in Honor of Stefan Wild, Arabische Texte und Studien, Georg Olms Verlag, Hildesheim/­Zürich/New York 1997, S. 133.

     [26]_ilm_ M. al-Q___d, ar-Riw_ya at-t_r___yya f_ adabin_ al-_ad__, D_r al-i_ti__m, Kairo 1990, S. 177ff.

     [27]Sappho kommt bei Goethe mindestens fünf Mal vor, aber nicht im Faust: in seiner Italienische Riese, Bericht April 1788 (I, Seite 32, 324), in seiner Reise in die Schweiz 1797 (I, Seite 34, 284), in seinen Tagebücher-Einträgen vom 19.-20.3.1817 (III, Seite 6, 23), in Sappho von einem herrschenden Vorurteil befreit (I, Seite 48, 172) und in Tagebücher vom 2.11.1818 (III, Seite 6, 261), siehe Ernst Gramach, Goethe und die Antike. Eine Sammlung, Bd. 1, Walter de Gryter § co, Berlin 1949, S. 220 (Seitenangaben sind nach der Sophien-Ausgabe des Werkes von Goethe zitiert.

     [28]B_ka__r schrieb auch andere berühmte Theaterstücke neu um, z.B. Der Kaufmann von Venedig als Š_l_k al-_ad_d (1945); Ödipus als M__s_t _d_b 1949 und andere; er übersetzte außerdem Romeo und Juliet 1969.

     [29]Dies wird getan mit dem Hinweis des Autors B_ka__r, daß das Unterschreiben von Eiden mit dem Blut der Beteiligten auf einem alten vorislamischen Brauch zurückgeht. Dafür gäbe es verläßliche Quellen aus der arabischen Literatur. Die Stammesoberhäupter legten ihre Hände in eine mit Blut gefüllten Schale als Zeichen dafür, daß sie einen Eid leisteten. Solch einen Bluteid gab es aber auch bei den Skythen und Germanen: "Man ließ in alten Zeiten das Blut zusammenfließen und trank es, womit man sich einander mit Leib und Leben verband", siehe dazu die Anmerkung von Karl Julius Schröer in der Faust Ausgabe des Zbinden Verlags Basel, Bd. 1, 1982, S. 113.    

     [30]B_ka__r, Faust al-_ad_d, S. 23.

     [31]Faust al-_ad_d, S. 22.

 

     [32]Helena war nie "Göttin der Schönheit", wie sie bei B_ka__r genannt wird; dies waren vielmehr bei den Griechen Aphrodite, Venus, Cupido, Amos (letzten beiden griechische und römische Götter der Begierde). Von Helena wissen wir, er sie war: "Helena, Gestalt der griechischen Mythologie. Nach der bekanntesten Version entstammt Helena einer Verbindung von Zeus mit Leda. Von außerordentlicher Schönheit, wird sie von dem mykischen Prinzen Menelaos geheiratet. Als der trojanische Königssohn Paris sie nach Troja entführt, ziehen die griechischen Fürsten mit ihren Heeren gegen Troja. Im 10. Jahr des Trojanischen Krieges führt schließlich die Mithilfe der Helena, die ihre Treulosigkeit bereut hat, zur Einnahme der Stadt. Verschiedene alte Kulte sowie das Entführungsmotiv legen die Vermutung nahe, daß Helena ursprünglich eine (wohl minoische) Vegetations­göttin war", siehe Mexers großes Taschenlexikon, Bd. 9, 1981, S. 270.

     [33]Faust al-_ad_d, S. 56.

     [34]Faust al-_ad_d, S. 82.

     [35]Faust al-_ad_d, S. 87. Faust zitiert aus dem Koran, Sure 22, Vers 50: "Wir haben dir die Decke von den Augen abgenommen, so daß dein Blick heute geschärft ist" in der Übersetzung von Rudi Paret.

     [36]Bei Goethe sündigt Gretchen und wird vom Bruder als Hure beschimpft. Ihre Mutter stirbt, ihr Bruder wird durch Faust ermordet, sie wird von Faust verlassen, kurz darauf entbindet sie ihr Kind von ihm.. sie verliert ihren Verstand und tötet ihr Kind, u d wird als Kindermörderin zum Tode verurteilt (=sie bezahlt für ihre Sünde).

     [37]Faust al-_ad_d, S. 25.

     [38]ibid., S. 26.

     [39]ibid.

     [40]"Sappho, eigentlich Psappho, griech. Lyrikerin um 600 v. Chr. in Mytilene auf Lesbos.- Größte Lyrikerin des Altertums. Adliger Herkunft. Sammelte in Mytilene in kulturell-erzieherischer Gemeinschaft einen Kreis junger Mädchen bis zu deren Hochzeit um sich. Ihre Götterhymnen und Hochzeitslieder, besonders ihre zarte [nur bruchstückhaft überlieferte] Liebeslyrik sind in einfacher, ausdrucksvoller Sprache unmittelbare Gestaltung ihrer Welt, ihres eigenen Denkens und Fühlens. Catull machte ihre Gedichte in Rom bekannt. Den großen Einfluß, den Sappho auch auf die römische Lyrik hatte, zeigt die von Horaz verwendete sapphische Strophe: eine vierzeilige Odenstrophe aus drei gleichgebauten 11silbigen "sapph. Versen" und einem abschließenden Adoneus (von Klopstock, Hölderlin und Lenau im Deutschen nachgebildet)", aus Meyers großes Taschenlexikon, 1981, Bd. 19, S. 135.

     [41]Faust al-_ad_d, S. 60.

     [42]Faust al-_ad_d, S. 26.

     [43]Faust al-_ad_d, S. 88.

     [44]B_ka__r, Faust al-_ad_d, S, 68.

     [45]ibid., S. 68-9.

     [46]Faust al-_ad_d, S. 87.

     [47]Faust al-_ad_d, S. 88.

     [48]Faust al-_ad_d, S. 77.

     [49]Nach der Übersetzung von Rudi Paret. Im Original arabischen Text ist die Ähnlichkeit deutlicher zu erkennen als in Übersetzung.

     [50]An einer anderen Stelle im Theaterstück schwört Satan sogar auf Gott, B_ka__r, Der Neue Faust, S. 35.

     [51]Lutz Edzard and Christian Szyska, Encounters of Words and Texts: Intercultural Studies in Honor of Stefan Wild, Arabische Texte und Studien, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich/New York 1997, S. 141.

     [52]Goethes Faust, Anmerkung Seite 262, und Kerkerszene S. 305ff.

     [53]ibid., S. 82.

     [54]Faust al-_ad_d, S. 23.

     [55]Faust al-_ad_d, S. 57.

     [56]ibid., S. 56.

     [57]Faust al-_ad_d, S. 59.

     [58]Faust al-_ad_d, S. 74.

     [59]Faust al-_ad_d, S. 76.

 

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